{"id":41,"date":"2014-01-07T12:12:37","date_gmt":"2014-01-07T12:12:37","guid":{"rendered":"?p=41"},"modified":"2014-01-07T12:12:37","modified_gmt":"2014-01-07T12:12:37","slug":"expertise-ueber-eine-schule-die-es-leider-nicht-mehr-gibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.eichelberger.at\/?p=41","title":{"rendered":"Expertise (\u00fcber eine Schule, die es leider nicht mehr gibt)"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Das didaktische System einer Schule<\/em><\/strong> gibt Aufschluss dar\u00fcber, was in einer Schule wie gelernt wird. Die Klarheit eines didaktischen Systems ist Voraussetzung f\u00fcr die gemeinsame Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer einer Schule und f\u00fcr die grunds\u00e4tzliche Orientierung der Eltern, was eine bestimmte Schule f\u00fcr ihre Kinder bietet.<\/p>\n<p align=\"right\">Dr. Harald Eichelberger<\/p>\n<p align=\"right\">\u00a0<\/p>\n<p align=\"right\">Mitarbeit:<\/p>\n<p align=\"right\">Claudia Katzer<\/p>\n<p align=\"right\">Dagmar Kien<\/p>\n<h1>Expertise (\u00fcber eine Schule, die es leider nicht mehr gibt)<\/h1>\n<p>Ehemaliege Montessori-Reformschulen<\/p>\n<p>Hermanngasse 8<\/p>\n<p>1070 Wien<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Das didaktische System der Schule und die implizierten Lernziele<\/h2>\n<p><strong><em>Das didaktische System einer Schule<\/em><\/strong> gibt Aufschluss dar\u00fcber, was in einer Schule wie gelernt wird. Die Klarheit eines didaktischen Systems ist Voraussetzung f\u00fcr die gemeinsame Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer einer Schule und f\u00fcr die grunds\u00e4tzliche Orientierung der Eltern, was eine bestimmte Schule f\u00fcr ihre Kinder bietet.<\/p>\n<p>Das didaktische System der Montessori-Reformschulen ist durch folgende Kriterien und p\u00e4dagogische Orientierungen gekennzeichnet:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0 Vorrangige Bildungsziele sind die Erziehung<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zum selbstst\u00e4ndigen und selbstt\u00e4tigen Lernen,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zur Eigenverantwortung f\u00fcr den eigenen Lernprozess und dem Lernen in einer Lerngruppe,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zum Ergreifen von Initiativen und zur Selbstkontrolle,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zum Leistungsmut und zur Normalisierung wie auch<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zum leistungsorientierten fachlichen Lernen im Sinne des entdeckenden und forschenden Lernens auf der Grundlage des Lehrplanes.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies gilt f\u00fcr die Kinder und Jugendlichen aller Lerngruppen der Montessori-Reformschulen.<\/p>\n<p>Diese \u00fcbergeordneten Bildungsziele entsprechen einem modernen europ\u00e4ischen Bildungsbewusstsein und bestimmen durchgehend die didaktisch-methodische Arbeit aller Lehrenden und Lernenden. Sie erm\u00f6glichen eine Schule als p\u00e4dagogische Einheit und die Identifikation der Lehrenden und Lernenden mit der Arbeit in der Schule und mit dem Schulleben \u2013 eine unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr die Qualit\u00e4t einer Schule.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Der Zusammenhang von Schularchitektur und Vorbereiteter Umgebung<\/h2>\n<p><strong><em>Die Schularchitektur determiniert die Art und Weise<\/em><\/strong> des Lernens wie auch die Vorbereitete Umgebung in der der Lernprozess abl\u00e4uft in nachhaltiger Weise.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr einen nachhaltigen Lernprozess \u2013 f\u00fcr den Sch\u00fcler sinnhaftes Lernen als Voraussetzung f\u00fcr ein lebenslanges und lebensbedeutendes Lernen \u2013 notwendige und unabdingbare Lernumgebung ist an den Grund\u00e4tzen einer Mathetik (Wissenschaft vom Lernen) orientiert und erst in zweiter Ordnung an den Grunds\u00e4tzen einer Didaktik (Wissenschaft vom Lehren).<\/p>\n<p>Die Schularchitektur der Montessori-Reformschulen erlaubt eine \u00e4u\u00dfere Organisation der Lerngruppen nach dem Prinzip der Altersheterogenit\u00e4t. Dieses Prinzip entspricht den Forderungen der meisten reformp\u00e4dagogischen Modelle wie auch einer Gliederung der Lerngruppen nach entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten (Siehe auch unten!): Lerngruppe der 6-9J\u00e4hrigen, Lerngruppe der 9-12J\u00e4hrigen, Lerngruppe der 12-15J\u00e4hrigen und Lerngruppe der 15-18J\u00e4hrigen.<\/p>\n<p>Jeder dieser Lerngruppen steht ein ganzes Stockwerk mit den entsprechenden Lern- und Arbeitsr\u00e4umen und einer entwicklungs- und altersad\u00e4quaten Lernumgebung zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Die Montessori-Reformschulen sind meinem Wissen nach die einzigen Schulen \u00d6sterreichs, die eine Lernumgebung nach dieser Gliederung in der vorhandenen Qualit\u00e4t f\u00fcr ihre Sch\u00fcler anbieten. Innerhalb der 15 \u2013 20% aller reformp\u00e4dagogischen Schulen in Europa kann der in diesen Schulen konstruierten Vorbereiteten Umgebung ein extrem hoher Qualit\u00e4tsstandard bescheinigt werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Die Vorbereitete Umgebung als didaktisch-methodische Vorordnung f\u00fcr selbst bestimmtes und selbstt\u00e4tiges Lernen im Sinne des \u201eautonomous learnings\u201c<\/h2>\n<p><strong><em>Eine gute Vorbereitete Umgebung leitet den Lernenden!<\/em><\/strong> Eine vorbereitete Umgebung die intensives und effektives Lernen erm\u00f6glicht<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>\u00a0ist f\u00fcr den Lernenden klar erkenntlich in Lernbereiche gegliedert,<\/li>\n<li>\u00a0beinhaltet eine serielle Ordnung und kennzeichnet ebenso Parallel\u00fcbungen zum selben Lernbereich,<\/li>\n<li>\u00a0f\u00fchrt den Lernenden in einer aufsteigenden Ordnung und<\/li>\n<li>\u00a0erm\u00f6glicht Lernen in einer entspannten Atmosph\u00e4re.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Vorbereitete Umgebung in den Montessori-Reformschulen ist f\u00fcr alle Lerngruppen klar gegliedert und kann alle Sch\u00fcler in deren selbstst\u00e4ndigen und selbstt\u00e4tigen Lernen eine konstruktive Struktur bieten, in der sie ihren individuellen Bed\u00fcrfnissen und den dem Lehrplan entnommen Anforderungen entsprechend lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Gruppe der 6-9J\u00e4hrigen besteht die Vorbereitete Umgebung zum gr\u00f6\u00dften Teil aus Montessori-Entwicklungsmaterialien. Diese Materialien sind einzigartig. Sie erm\u00f6glichen eine optimale Entwicklung der in den Kindern potenziell grundgelegten F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten und gleichzeitig einen raschen und intensiven Lernfortschritt.<\/p>\n<p>Meine Beobachtungen und die gemeinsame Arbeit mit den Kindern haben best\u00e4tigt,<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>\u00a0\u00a0 dass die Kinder in dieser Lerngruppe ihren Lernprozess intensiv arbeitend gestalten k\u00f6nnen,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 dass eine Lernatmosph\u00e4re vorherrscht, die f\u00fcr alle Kinder eine gute Entwicklung erm\u00f6glicht,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 dass die Kinder gemeinsame Arbeiten und Darbietungen mit den Materialien gut annehmen k\u00f6nnen und den initiierten Lernprozess selbstst\u00e4ndig fortsetzen k\u00f6nnen und<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 von den Lehrerinnen in ihrem Lernprozess der angewandten Methode entsprechend betreut werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In dieser Lerngruppe werden wesentliche Grundlagen gelegt, um den Lernprozess des selbst gesteuerten Lernens in den weiter f\u00fchrenden Lerngruppen fortsetzen zu k\u00f6nnen und f\u00e4hig zu werden den eigenen Lernprozess lebenslang gestalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die gute Lernumgebung und die qualit\u00e4tsvolle Betreuung und Unterweisung in dieser Lerngruppe entsprechen den in der PISA-Studie erfolgreichen Schulen und Staaten, die vor allem in den Lernprozess der Grundschule die meisten geistigen und finanziellen Ressourcen investieren: \u201eDas Fundament des Lernens ist wichtig!\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Vorbereitete Umgebung und didaktische Ordnung<\/h2>\n<p>\u201eHier beginnt es und so geht\u2019s weiter!\u201c erkl\u00e4rte mir ein 8j\u00e4hriger Sch\u00fcler in der Lerngruppe der 6-9J\u00e4hrigen. Ihm war l\u00e4ngst klar, wie er sich in der f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler vorbereiteten Umgebung bewegt, wo er ein bestimmtes Material finden wird, zu welchem Lernbereich dieses Material geh\u00f6rt und konnte auch nachlesen, was er mit diesem Material lernen kann.<\/p>\n<p>Die angebotenen Materialien entsprechen der didaktischen Ordnung der Montessorip\u00e4dagogik und decken den Lehrplan zur G\u00e4nze ab. Es ist Aufgabe der Lehrerinnen, die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler so anzuleiten, dass diese mindestens den Lehrplan erf\u00fcllen. Aus meiner Erfahrung mit Montessorischulen kann ich best\u00e4tigen, dass der Lehrplan meist \u00fcbererf\u00fcllt wird.<\/p>\n<p>Meinen Beobachtung in der Lerngruppe der 6-9J\u00e4hrigen entsprechend, wird diese Annahme aufgrund der qualitativ hoch stehenden Arbeit der Lehrerinnen auch f\u00fcr diese Lerngruppe zutreffen. Weitere Beobachtungen werden zu diesem Punkt der \u00dcbererf\u00fcllung des Lehrplanes noch folgen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Vorbereitete Umgebung und Entwicklungsmaterialien<\/h2>\n<p><strong><em>Mit Hilfe des Entwicklungsmaterials<\/em><\/strong> ist es den Kindern m\u00f6glich, ihre intellektuellen, psychischen und motorischen F\u00e4higkeiten zu entwickeln.<\/p>\n<p>Bei allen Materialgruppen finden wir durchgehend<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>\u00a0\u00a0 das Prinzip der Isolation der Schwierigkeiten,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 das Merkmal der \u00c4sthetik und<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 das Merkmal der Selbstkontrolle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Selbstkontrolle dient der Entwicklung wesentlicher Eigenschaften und F\u00e4higkeiten der Sch\u00fcler. Die Sch\u00fcler sollen ihre Arbeit selbstverantwortlich und ehrlich kontrollieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Arbeit mit Montessori-Entwicklungsmaterialien wird man in vielen Schulen vorfinden.<\/p>\n<p>Einzigartig in den Montessori-Reformschulen ist hingegen, dass es die Leiterin und der Leiter der Schule und die Lehrerinnen und Lehrer geschafft haben, eine f\u00fcr alle Schulstufen ad\u00e4quate Vorbereitende Umgebung in der Schule zu schaffen, die den didaktischen Prinzipien der Arbeit mit Entwicklungsmaterialien entspricht. Dadurch werden diese Schulen zu einer p\u00e4dagogischen Einheit mit einer einheitlichen Didaktik.<\/p>\n<p>Wird f\u00fcr die Gruppe der 6-9J\u00e4hrigen eine Orientierung an der Montessori-P\u00e4dagogik bevorzugt, so orientiert sich die Arbeit in den Lerngruppen der 9-12J\u00e4hrigen, der 12-15J\u00e4hrigen und der 15-18J\u00e4hrigen an den Grunds\u00e4tzen der Daltonplan-P\u00e4dagogik:<\/p>\n<p>Die Daltonplan-P\u00e4dagogik ist das p\u00e4dagogische Modell f\u00fcr die Reform der Sekundar-I- und Sekundar-II-Schulstufe. In den Niederlanden wurden in den letzten 5 Jahren mindesten 150 neue Daltonplan-Schulen errichtet.<\/p>\n<p>Der Daltonplan von Helen Parkhurst ist durch die Prinzipien<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>\u00a0\u00a0 Freiheit,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Kooperation<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 und Selbstt\u00e4tigkeit<\/li>\n<\/ul>\n<p>charakterisiert.<\/p>\n<p>Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler lernen nach Lernaufgaben, die nach didaktischen Gesichtspunkten strukturiert sind und zu selbstst\u00e4ndigem Lernen f\u00fchren. Diese Art des Lernens wird international als \u201echildren\u2019s university\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Die Montessori-Reformschulen sind in ihrer Entwicklung bereits einen wesentlichen Schritt weiter gegangen. Sie haben die Lernaufgaben nicht nur in die Vorbereitete Umgebung und in die einzelnen aufeinander abgestimmten Materialien integriert, sondern ebenso in ein Computerprogramm, das den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern die individuelle Zusammenstellung von Lernaufgaben erm\u00f6glich und anschlie\u00dfend auch die \u00dcberpr\u00fcfung ihres Lernerfolges durch ad\u00e4quate Evaluations- und Pr\u00fcfungsaufgaben.<\/p>\n<p>Die Vorbereitete Umgebung, das Farbsystem, in dem die Lernanleitungen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gestaltet sind, das Computerprogramm und ebenso die Pensenb\u00fccher sorgen in diesen Schulen f\u00fcr eine Transparenz an geforderten Sch\u00fclerinnen- und Sch\u00fclerleistungen, wie sie die traditionelle Schule kaum aufweist. In dieser Beziehung k\u00f6nnen die Montessori-Reformschulen durchaus als vorbildhaft f\u00fcr eine allgemeine Schulentwicklung der Sekundar-I- und Sekundar-II-Schulen in \u00d6sterreich bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Diese Form der Schul- und Lernorganisation beruht auf tief gehendem Verst\u00e4ndnis der reformp\u00e4dagogischen Modelle und ebenso auf professionell angewandetem Fachwissen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Die Arbeit mit den Entwicklungsmaterialien und deren Weiterentwicklung<\/h2>\n<p><strong><em>Die Entwicklung von Entwicklungsmaterialien<\/em><\/strong> war in der Geschichte der P\u00e4dagogik eine solit\u00e4re Errungenschaft!<\/p>\n<p>In den Montessori-Reformschulen ist es gelungen, einige Entwicklungsmaterialien f\u00fcr die Lerngruppe der 6-9J\u00e4hren weiter zu entwickeln. Diese Materialien entsprechen durchaus den didaktischen Qualit\u00e4tskriterien der Entwicklungsmaterialien aus der Montessori-P\u00e4dagogik.<\/p>\n<p>Die eigentliche Gro\u00dftat auf diesem Sektor besteht aber sicherlich in der Entwicklung von Entwicklungsmaterialien f\u00fcr die Bereiche Sekundar-I und Sekundar-II. Hier wurden Materialien f\u00fcr das autonome Lernen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler entwickelt, die ich in dieser didaktischen und methodischen Qualit\u00e4t bisher nur an dieser Schule beobachtet habe. Wer die Schwierigkeiten einer professionellen Materialentwicklung kennt, kann diese Entwicklung in ihrer Bedeutung entsprechend einsch\u00e4tzen. Diese Entwicklung ist wiederum eine notwendige Voraussetzung f\u00fcr einen Lernprozess, der die individuelle Entwicklung der F\u00e4higkeiten der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler m\u00f6glichst ad\u00e4quat ber\u00fccksichtigt und mit den schulischen Anforderungen in \u00dcbereinstimmung bringt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Die so genannte Freiarbeit und deren Bedeutung f\u00fcr die Entwicklung der Kinder und der Jugendlichen<\/h2>\n<p><strong><em>In der Freiarbeit manifestieren sich die Bildungsziele einer Schule!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Lernen in Freiarbeit erm\u00f6glicht den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern das Erlernen von<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>\u00a0\u00a0 Selbstst\u00e4ndigkeit,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Eigenverantwortung f\u00fcr ihr Tun,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Selbstkontrolle,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Selbstvertrauen,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 individuelles Lerntempo in einem vorgegebenen Rahmen,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Kooperation,<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Aufbau von Ich-St\u00e4rke und<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Nachhaltigkeit des Gelernten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine Schule, die eine gut strukturierte Freiarbeit in Kombination mit gebundenem Unterricht anbietet, vermeidet den Irrtum der traditionellen Schule, in der davon ausgegangen wird, dass das, was gelehrt wird, auch gelernt wird.<\/p>\n<p>In den Montessori-Reformschulen wird viel mehr gelernt als gelehrt. Hier ist im reformp\u00e4dagogischen Sinn effektiv umgedacht worden: Die didaktischen Postulate des Lehrens wurde konsequent in Aneignungsstrategien \u201eumgedacht\u201c und in eine klar strukturierte Lernumgebung umgesetzt. Dadurch wird der eigentliche Lernprozess viel intensiver gestaltet als im herk\u00f6mmlichen Unterricht.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Freiarbeit \u2013 Lernziele \u2013 Lehrplan<\/h2>\n<p><strong><em>Jede so genannte Freiarbeit<\/em><\/strong> bedarf einer klaren didaktischen Struktur, damit selbstst\u00e4ndiges und selbst gesteuertes Lernen in dieser Lernphase erm\u00f6glicht wird.<\/p>\n<p>Freiarbeit darf nicht mit offenem Unterricht verwechselt werden. Freiarbeit beruht auf didaktischen Modellen der Reformp\u00e4dagogik. Diese Modelle sind nun bereits mehr als 100 Jahre erprobt und erfolgreich.<\/p>\n<p>In den Montessori-Reformschulen beruht die didaktische Struktur der Freiarbeit auf dem grundlegenden Studium der beiden reformp\u00e4dagogischen Modelle Montessori-P\u00e4dagogik und Daltonplan-P\u00e4dagogik und ebenso auf dem Studium der Schulen in Europa, in denen diese Modelle in einer zeitgem\u00e4\u00dfen Art und Weise umgesetzt worden sind.<\/p>\n<p>Beide Modelle wurden nicht nur radikal studiert und konsequent umgesetzt, sondern auch aktualisiert und den regionalen schulischen und gesellschaftlichen Bedingungen entsprechend in der konkreten Anwendung modifiziert. Des Weiteren wurde eine Synthese von didaktischer Orientierung, methodischer Arbeit und der konsequenten Umsetzung des offiziellen Lehrplans gefunden. Die dem Lehrplan entnommenen Lernziele werden in einer \u00e4u\u00dferst transparenten Weise und in klar strukturierter Ordnung f\u00fcr alle an dieser Schule beteiligten Personen als Grundlage der Lernverpflichtungen pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Die Lehrplanumsetzung und die Verbindung von eigenst\u00e4ndiger Didaktik und methodischer Arbeit ist international gesehen ein \u201ehigh-standard\u201c-Kriterium einer Schule mit hoher p\u00e4dagogischer Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung in einem System des selbst bestimmten Lernens<\/h2>\n<p>Die Leistungsfeststellung ist konsequent der Aufbereitung des Lehrplanes angepasst. Der didaktischen Ordnung der Schule entsprechend werden Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung der Eigenverantwortung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u00fcbergeben. Damit obliegt den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern ihren eigenen Lernfortschritt zu \u00fcberpr\u00fcfen. Durch das computerunterst\u00fctzte System der Leistungsfeststellung ist f\u00fcr die Lehrerinnen und Lehrer m\u00f6glich die Leistungsfeststellung der Sch\u00fcler als solche ebenso zu \u00fcberpr\u00fcfen und zu kontrollieren \u2013 ein sehr konsequentes System.<\/p>\n<p>Es ist besonders positiv anzumerken, dass in dieser Schule selbst in den sensiblen Bereichen der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung die didaktische Orientierung nicht aufgegeben wurde. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler lernen ihre Leistungen an einem klar festgelegten Standard selbst einzusch\u00e4tzen, zu kontrollieren und zu vergleichen und mit ihrem Lehrerinnen und Lehrern dar\u00fcber in einen Dialog zu treten, der den weiteren Lernprozess aufrecht erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Die Bedeutung der Altersheterogenit\u00e4t f\u00fcr den Lernerfolg der Kinder in einer reformp\u00e4dagogischen Schule<\/h2>\n<p><em>Peter Petersen<\/em> \u2013 der Begr\u00fcnder des Jenaplans \u2013 hat in seinem p\u00e4dagogischen Konzept und in allen Jenaplan-Schulen ohne Ausnahme auf zwei nur scheinbar wichtige Organisationsmerkmal verzichtet: die Jahrgangsklasse und den Stundenplan.<\/p>\n<p>Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler unterschiedlichen Alters in einer Lerngruppe lernen voneinander, helfen einander, bereichern einander, erleben sich in der Rolle des\/der Helfenden und ebenso als jemand dem geholfen wird.<\/p>\n<p>Dazu nochmals Peter Petersen: \u201eDenken und Wollen anderer Weltanschauungsgruppen\u201c zu achten und zu verstehen \u201eund dass man die Kunst der Kooperation mit Andersdenkenden\u201c ernsthaft lernte.<\/p>\n<p>Die altersheterogenen Gruppierungsformen sind der Jahrgangsklasse im sozialen Lernen und ebenso in der Lerneffektivit\u00e4t nachgewiesen \u00fcberlegen und sie vermeiden das \u201eSitzenbleiberelend\u201c!<\/p>\n<p>Moderne schulische Organisationsformen bevorzugen altersheterogene Gruppierungsformen, die dem gesellschaftlichen Normalit\u00e4tsprinzip entsprechend und haben den Fetzenstundenplan zugunsten von lernad\u00e4quaten zeitlichen Ordnungen abgeschafft:<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>\u00a0\u00a0 Lernen in Modulen;<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Lernen in selbst strukturierter Freiarbeit;<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Lernen in selbst definierten Lernperioden;<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Lernen nach assignments;<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 mittelfristige und langfristige Lernplanungen und \u2013strukturierungen;<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Projekte;<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 \u2026<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch in diesem Bereich ist die Umsetzung der reformp\u00e4dagogischen Ideen in eine moderne Schulorganisation, die ausschlie\u00dflich der Verbesserung der Lernbedingungen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler dient und nicht der Schulb\u00fcrokratie gelungen und wird sicher im Sinne der lernenden Organisation noch weiter entwickelt werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Realisierung reformp\u00e4dagogischer Grunds\u00e4tze und Schulqualit\u00e4t<\/h2>\n<p>Um eine reformp\u00e4dagogische Schule errichten und leiten zu k\u00f6nnen sind wesentliche Vorbedingungen notwendig:<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>\u00a0\u00a0 Ein intensives Studium der reformp\u00e4dagogischen Modelle und ein tiefes Verst\u00e4ndnis der in diesen liegenden p\u00e4dagogischen Implikationen;<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Strategien der modernen Organisationsentwicklung und Personalentwicklung zur Umsetzung eines oder mehrerer reformp\u00e4dagogischer Modelle in eine moderne Schule;<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Kompetenzen aus dem Bereich des Bildungsmanagements zum Aufbau und zur Weiterentwicklung einer reformp\u00e4dagogischen Schule im Sinne der reformp\u00e4dagogischen Modelle in einer aktualisierten und modernisierten Form;<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 Bereitschaft zur Kooperation mit Fachleuten der Schulentwicklung und Schulevaluation;<\/li>\n<li>\u00a0\u00a0 und professionelle Elternarbeit wie die Bereitschaft mit den Eltern eine intensive Kooperation einzugehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Den Montessori-Reformschulen kann durchaus bescheinigt werden, dass sie in den genannten Punkten ausgezeichnet Entwicklungsarbeit geleistet haben und als Modell eines modernen Bildungsmanagements bezeichnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>Res\u00fcmee<\/h2>\n<p>Jede Reflexion bedarf einer Bezugsebene: In diesem Fall ist die Bezugsebene die aktuelle Bildungspolitische Diskussion um eine Verbesserung der Schulqualit\u00e4t, um den europ\u00e4ischen Lern- und Bildungsanspr\u00fcchen gerecht zu werden. Ich beziehe mich auf folgende Korrelationen von Schulqualit\u00e4tskriterien und PISA-Erfolg:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0 Weitestgehende Schulautonomie in den Bereichen<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: circle;\">\n<li>\u00a0 Lernplanumsetzung,<\/li>\n<li>\u00a0 Unterrichts- und Schulentwicklung,<\/li>\n<li>\u00a0 Schulmodell,<\/li>\n<li>\u00a0 Schulverwaltung,<\/li>\n<li>\u00a0 Lehrerinnen- und Lehreranstellungen,<\/li>\n<li>\u00a0 Schulprofil;<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0 Hohe Identifikation mit dem selbst geschaffenen Schulmodell aller an der Schule beteiligten Personen: Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Kinder;<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0 Ganztagsschule;<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0 Gesamtschule im Bereich der Pflichtschule;<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0 Intensive Kooperation mit Eltern;<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0 Eine klar identifizierbare p\u00e4dagogische Orientierung;<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0 Integrative Arbeit;<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0 Unterst\u00fctzung durch Schulentwicklerinnen und Schulentwickler und Schulevaluatorinnen und Schulevaluatoren;<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0 Moderne Umsetzung reformp\u00e4dagogischer Modelle als Modelle des selbst gesteuerten, initiativen und selbstt\u00e4tigen, aktiven Lernens;<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0 Qualifizierende Lehrerinnen- und Lehrerweiterbildung;<\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p>Die Montessori-Reformschulen entsprechen den meisten dieser Kriterien in qualitativ hoch stehender Art und Weise. Sie sind in diesem Sinne durchaus ein Modell f\u00fcr eine allgemeine Unterrichts- und Schulentwicklung, richtungweisend f\u00fcr eine Verbesserung der PISA-Ergebnisse in den kommenden Jahren und entsprechend einem europ\u00e4ischen Standard von dem die meisten Regelschulen in \u00d6sterreich noch weit entfernt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das didaktische System einer Schule gibt Aufschluss dar\u00fcber, was in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-41","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-unterrichtsentwicklung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}