{"id":43,"date":"2014-01-07T12:27:52","date_gmt":"2014-01-07T12:27:52","guid":{"rendered":"?p=43"},"modified":"2014-01-07T12:27:52","modified_gmt":"2014-01-07T12:27:52","slug":"lebensbegleitendes-lernen-was-sonst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.eichelberger.at\/?p=43","title":{"rendered":"Lebensbegleitendes Lernen &#8211; was sonst?!"},"content":{"rendered":"<p>Die Idee vom lebenslangen Lernen muss \u00fcberdacht und erweitert werden. Denn au\u00dfer notwendigen Anpassungen an ein ver\u00e4ndertes Berufsleben muss lebenslanges Lernen eine fortlaufende Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit jedes Menschen beinhalten, seines Wissens und seiner F\u00e4higkeiten, doch auch seines Urteils- und Handlungsverm\u00f6gens.<\/p>\n<p align=\"right\">Harald Eichelberger<\/p>\n<h1>Lebensbegleitendes Lernen &#8211; was sonst?!<\/h1>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Die Idee vom lebenslangen Lernen muss \u00fcberdacht und erweitert werden. Denn au\u00dfer notwendigen Anpassungen an ein ver\u00e4ndertes Berufsleben muss lebenslanges Lernen eine fortlaufende Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit jedes Menschen beinhalten, seines Wissens und seiner F\u00e4higkeiten, doch auch seines Urteils- und Handlungsverm\u00f6gens.&#8220; (Jaques Delors)<\/p>\n<p>Also, was Ihnen noch vor kurzem in der Literatur und\/oder in verschiedenen Medien als \u201elebenslanges Lernen\u201c begegnet sein k\u00f6nnte, hei\u00dft am Ende des Jahres des lebenslangen Lernens doch eher \u201elebensbegleitendes Lernen\u201c. Die einj\u00e4hrige Diskussion hat dazu gef\u00fchrt, dass Lernen nicht so sehr mit \u201elebensl\u00e4nglich\u201c, sondern viel mehr mit \u201elebensbegleitend\u201c assoziiert werden soll. Doch auch \u201elebensbegleitendes Lernen\u201c ist keine neue Idee des Lernens. Schon vor dieser Wortsch\u00f6pfung war der Mensch vorwiegend ein sogenanntes Lernwesen und hat auch \u201elebenslang\u201c und \u201elebensbegleitend\u201c gelernt. Somit ist lebensbegleitendes Lernen auch kein neues Lernkonzept, aber sehr wohl eine wesentliche Besinnung. Lebensbegleitendes Lernen ist Besinnung auf Lernen als Lebensprinzip, auf Bildung zur Lebensbew\u00e4ltigung, auf die Notwendigkeit der Bildung zur Alltagsgestaltung und auch darauf, dass es ein Recht auf Bildung f\u00fcr jeden Menschen gibt. Wodurch aber kam es zu dieser Besinnung?<\/p>\n<h2>Zum \u201eBesinnungswandel\u201c<\/h2>\n<p>M\u00f6gliche Ausl\u00f6ser der \u201eBesinnung\u201c sind unter anderen<\/p>\n<ul>\n<li>die im beruflichen Leben notwendig gewordene Flexibilit\u00e4t und die damit verbundene Notwendigkeit einer permanenten Weiterbildung,<\/li>\n<li>die zunehmende Interkulturalit\u00e4t unserer Gesellschaft und die gleichzeitig notwendige Entwicklung zu Toleranz, Friedf\u00e4higkeit und gesteigerter Demokratiekultur,<\/li>\n<li>die gestiegene Mobilit\u00e4t jedes einzelnen in fast allen Lebensbereichen und<\/li>\n<li>last not least eine neue Bildungstechnologie selbst, die uns im sogenannten \u201eopen &#8211; and &#8211; distance &#8211; learning\u201c in Zukunft in einem immer st\u00e4rkeren Ausma\u00df begegnen wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es sind dies einige Entwicklungen, die die Idee des lebensbegleitenden Lernens beeinflusst haben. Ich versuche in der Folge, die Idee des lebensbegleitenden Lernens \u201ep\u00e4dagogisch-konzeptuell\u201c zu konkretisieren und zu kommentieren.<\/p>\n<h2>St\u00fctzen der Bildung<\/h2>\n<p>Die Idee des lebensbegleitenden Lernens ist im wahren Sinn des Wortes weitreichend, sie ist eine europ\u00e4ische Idee. Die Europ\u00e4ische Kommission hat vier St\u00fctzen als Grundlage der Bildung und damit auch des lebensbegleitenden Lernens erarbeitet und vorgestellt. Es sind dies: \u201e<em>Lernen zu lernen<\/em>\u201c, \u201e<em>Das Gelernte anwenden<\/em>\u201c, \u201e<em>Lernen f\u00fcr das Leben<\/em>\u201c und \u201e<em>Zusammenleben lernen<\/em>\u201c.<\/p>\n<h3>Lernen zu lernen<\/h3>\n<p>Dieses Bildungsvorhaben bedingt eine radikale Ver\u00e4nderung unseres Bildungssystems. Mit Lernen lernen ist nicht nur die m\u00f6glichst \u00f6konomische Aneignung von Wissen gemeint, das Beherrschen von Lerntechniken, wie ich m\u00f6glichst schnell, mit m\u00f6glichst wenig M\u00fche m\u00f6glichst viel Stoff aufnehmen kann oder wie ich eben die Idee des N\u00fcrnberger Trichters verbessern kann. Gut, wenn ich solche Lerntechniken beherrsche. F\u00fcr lebensbegleitendes Lernen ist dies aber zu wenig. Soll Lernen mein Leben begleiten, so wird meine F\u00e4higkeit des Lernens erstens eine sein m\u00fcssen, die ich als lustvoll empfinde und nicht mit den Erinnerungen des in der Regel unlustigen Schulalltags so belastet ist, dass ich Situationen des Lernens eher vermeide als suche. Zweitens werde ich Lernen als eine F\u00e4higkeit f\u00fchlen und empfinden m\u00fcssen, die zum Aufbau und zur Integration meiner eigenen Pers\u00f6nlichkeit entscheidend beigetragen hat und noch immer beitr\u00e4gt. In diesem Sinne muss ich Lernen selbst als eine F\u00e4higkeit integriert haben, die ich mir einerseits in selbst\u00e4ndiger und selbstt\u00e4tiger Arbeit angeeignet und mich anderseits permanent in dem positiven Bewusstsein leben l\u00e4sst, dass ich durch meine Initiative und Flexibilit\u00e4t meine Lebenssituation in einer bestimmten Lebensgemeinschaft verbessern kann.<\/p>\n<p>Lebensbegleitendes Lernen ist somit auch eine F\u00e4higkeit bewusst positiver Lebensf\u00fchrung und Lebenseinstellung und kann auch nur in einer Lernsituation erworben werden, in der <em>initiatives Handeln<\/em>, <em>selbst\u00e4ndiges und selbstt\u00e4tiges Arbeiten<\/em> und <em>entdeckendes und forschendes Lernen<\/em> im Vordergrund der didaktisch-methodischen Orientierung der Institution Schule stehen. Ich wage die These und bin zur Diskussion bereit: lebensbegleitendes Lernen wird der Lernende wahrscheinlich nur dann als die beschriebene F\u00e4higkeit internalisieren k\u00f6nnen, wenn er \u00fcber sein Lernen und damit auch \u00fcber die Form und die Inhalte seines Lernens selbst bestimmen kann und sein Lernen immer ein vorwiegend selbstbestimmter Lebensprozess ist.<\/p>\n<p>Die Besinnung auf lebensbegleitendes Lernen muss unsere Schulen in dem Sinne ver\u00e4ndern, dass die Initiative des Lernenden, seine intellektuelle, soziale und emotionale Kreativit\u00e4t den schulischen Alltag bestimmen, Schule ein Ort des gemeinsamen Lernens und Lebens aller an der Schule Beteiligten &#8211; also der Eltern, Kinder und Lehrer &#8211; wird und die Schule befreit wird von Unterdr\u00fcckungsritualen, wie Beurteilungen und \u201eSitzenbleiben\u201c. Gleichzeitig muss sich Schule selbst als lernendes System erfassen und bestimmen k\u00f6nnen, das sich flexibel auf die Bed\u00fcrfnisse und Interessen der Lernenden in den Bereichen der Schulorganisation und des didaktischen Systems einstellen kann. Doch Schule kann nur ein Lernendes System sein, wenn sie selbst als selbst\u00e4ndige Einheit ver\u00e4nderbar und anpassbar ist. Innerhalb eines grunds\u00e4tzlich protektionistisch ausgerichteten und hierarchisch geordneten System ist Schule selbst nicht lernf\u00e4hig und wird in einem sehr eingeschr\u00e4nkten Ma\u00df ihre Sch\u00fcler zum lebensbegleitenden Lernen erziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Das Gelernte anwenden<\/h3>\n<p>Sie kennen sicher den Satz: \u201eDas lernen wir, weil wir es sp\u00e4ter im Leben einmal brauchen werden.\u201c Hand aufs Herz, wie viel haben wir schon gelernt, was wir nie wieder gebraucht haben, und wieviel haben wir umgekehrt in der Schule nicht gelernt, was wir sehr n\u00f6tig gebraucht h\u00e4tten? In der doch sehr schnelllebigen Zeit k\u00f6nnen wir nicht mehr mit lehrerhafter Sicherheit wissen, welches Wissen wir einmal brauchen werden. Diese Orientierung an der Zukunft funktioniert nicht mehr, wenn sie \u00fcberhaupt jemals funktioniert hat. Wenn wir lebensbegleitendes Lernen als eine Besinnung verstehen, so wird lebensbegleitendes Lernen eine Orientierung des Lernens auf das Hier und Jetzt des Lernenden sein m\u00fcssen. Eine (jetzt) notwendige Arbeit zu bew\u00e4ltigen, sich auf eine neu auftretende Situation einstellen zu k\u00f6nnen, im Team mit anderen Menschen an einer Aufgabe arbeiten zu k\u00f6nnen, etwas praktisch anwenden, etwas weiterentwickeln zu k\u00f6nnen, sind F\u00e4higkeiten, die uns wahrscheinlich lebenslang begleiten werden, die wir jetzt und in der Zukunft brauchen werden. Wiederum: Soll Lernen lebensbegleitend werden, so muss ich diese F\u00e4higkeiten in der Schule erwerben k\u00f6nnen, und es besteht kein Zweifel, dass ich diese F\u00e4higkeiten im Leben brauchen werde.<\/p>\n<h3>Lernen f\u00fcr das Leben<\/h3>\n<p>Ich gehe von der p\u00e4dagogischen These aus, dass die Schule prim\u00e4r der optimalen Entwicklung und F\u00f6rderung des Kindes und seiner F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten verpflichtet ist und dass eine in diesem Verst\u00e4ndnis stehende kindorientierte P\u00e4dagogik die beste Voraussetzung ist, dass diese Kinder auch einmal die Gesellschaft, in die sie hineinwachsen, nach ihren eigenen Vorstellungen, nach ihrem Denken und F\u00fchlen gestalten k\u00f6nnen. Wir sind in unserem Denken viel zu sehr daran gew\u00f6hnt, dass die Gesellschaft an die Institution Schule wie selbstverst\u00e4ndlich Anforderungen stellen kann. Wahrscheinlich tun dies die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen sogar zu recht. Mindestens ebenso \u00fcberlegenswert ist aber der p\u00e4dagogische Gedankengang, dass Schule nicht dazu da ist, um ausschlie\u00dflich Kinder auf die Gesellschaft, in der sie jetzt leben, vorzubereiten, sondern vielmehr um sie so zu erziehen, dass sie (die Kinder) diese Gesellschaft einmal nach ihren Vorstellungen formen und bilden k\u00f6nnen. In diesem Sinne sehe ich in der Schule keine Institution, die Kinder \u201ef\u00fcr\u201c etwas erziehen soll, sondern eine Institution, die Kindern zu Selbst\u00e4ndigkeit und Eigenst\u00e4ndigkeit innerhalb der Gesellschaft, in der sie leben, verhelfen soll. Lebensbegleitendes Lernen hei\u00dft auch Bereitschaft zur Ver\u00e4nderung. Die Bereitschaft zur Ver\u00e4nderung bedingt hinwiederum den in einem hohem Ma\u00df lebenslang lernwilligen und lernf\u00e4higen Menschen.<\/p>\n<h3>Zusammenleben lernen<\/h3>\n<p>Die Gesellschaft der Gegenwart ist bereits eine interkulturelle Gesellschaft. Ich hoffe, dass die Gesellschaft der Zukunft eine integrative Gesellschaft sein wird. Es sind dies nur zwei Trends, die einen weiteren Wandel in unserer Gesellschaft kennzeichnen. P\u00e4dagogik muss auf diesen Wandel rechtzeitig reagieren, kann auch darauf reagieren und hat dies auch schon getan. Das Problem der P\u00e4dagogik besteht in diesem Zusammenhang vielmehr darin, noch immer viel zu wenig geh\u00f6rt zu werden. Probleme, die bei einem gemeinsamen Lernen von Menschen verschiedenartigster Herkunft einfach bestehen und Probleme, die beim gemeinsamen Lernen von behinderten und nichtbehinderten Menschen bestehen, sind Probleme aller Menschen und nicht nur die Probleme von \u201eAusl\u00e4ndern\u201c und \u201eBehinderten\u201c. L\u00f6sungen, Konzepte und Strategien, die wir gemeinsam finden, sind L\u00f6sungen, Konzepte und Strategien f\u00fcr alle Menschen. P\u00e4dagogische Wortgewalt ist zu wenig, um die weitreichenden Ideen eines lebensbegleitenden Lernen in der gesellschaftlichen Realit\u00e4t durchgehend wirksam werden zu lassen. Vielmehr als neue Ideen in der P\u00e4dagogik braucht eine interkulturelle und integrative Gesellschaft den Mut, vorhandene p\u00e4dagogische Vorstellungen einer individualisierenden P\u00e4dagogik endlich einmal umsetzen zu wollen. Ich nenne folgend Beispiele.<\/p>\n<h2>P\u00e4dagogische Konzepte zum lebensbegleitenden Lernen<\/h2>\n<p>Lernen als <em>lebensbegleitende F\u00e4higkeit bewu\u00dfter Lebensf\u00fchrung<\/em>, die ich mir einerseits in selbst\u00e4ndiger und selbstt\u00e4tiger Arbeit angeeignet habe, setzt p\u00e4dagogische Konzepte voraus, die selbst\u00e4ndige und selbstt\u00e4tige Arbeit und somit eigenst\u00e4ndige Arbeit an sich selbst erm\u00f6glichen, unterst\u00fctzen und immer wieder weiterf\u00fchren k\u00f6nnen. Lebensbegleitendes Lernen <em>fordert <\/em>die M\u00f6glichkeit, Schule nach den p\u00e4dagogischen Konzepten zu gestalten, die selbstbestimmtes Lernen im oben genannten Sinn verwirklichen helfen k\u00f6nnen. P\u00e4dagogische Modelle, die sich als didaktische Grundlage anbieten, sind die heute weltweit verbreiteten f\u00fcnf erfolgreichen Modelle der Reformp\u00e4dagogik \u2014 <em>Montessori-P\u00e4dagogik<\/em>, <em>Freinet-P\u00e4dagogik,<\/em> <em>Jenaplan-P\u00e4dagogik<\/em>, <em>Freinet-P\u00e4dagogik <\/em>und <em>Waldorfp\u00e4dagogik.<\/em> Mit diesen genannten Konzepten sind p\u00e4dagogische Prinzipien, wie <em>Selbst\u00e4ndigkeit<\/em>, <em>Selbstbildung<\/em>, <em>Eigenverantwortung<\/em>, <em>Selbstt\u00e4tigkeit<\/em>, <em>eigenst\u00e4ndiges und autonomes Lernen<\/em>, <em>entdeckendes Lernen<\/em>, <em>Bildung der Imaginationsf\u00e4higkeit <\/em>und <em>soziales Lernen <\/em>verbunden. Zentrales Anliegen ist es, den heranwachsenden Menschen in seiner Entwicklung zur eigenst\u00e4ndigen Pers\u00f6nlichkeit und zur Entfaltung seiner Individualit\u00e4t zu helfen.<\/p>\n<p>Weitere konstituierende und beschreibende Merkmale reformp\u00e4dagogischer Bildungskonzepte finden wir, ohne schon Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erheben zu wollen, in der <em>Gestaltung einer anregenden Lernlandschaft<\/em>, im <em>f\u00e4cher\u00fcbergreifender Unterricht<\/em>, in <em>weitreichenden Mitbestimmungsm\u00f6glichkeiten des Kindes, <\/em>im Angebot sogenannter <em>Entwicklungsmaterialien,<\/em> in einer <em>pers\u00f6nlichkeitsbezogenen Leistungsbewertung und Leistungsbeurteilung <\/em>und in einer prinzipiellen <em>Betonung der Eigenaktivit\u00e4t<\/em>. Montessori-P\u00e4dagogik, Freinet-P\u00e4dagogik, der Jenaplan nach Peter Petersen, der Daltonplan nach Helen Parkhurst oder der Epochenunterricht der Waldorfschulen bieten klare methodisch-didaktische Konzepte, die je nach dem zu entwickelnden Schulprofil, die Grundlage f\u00fcr die p\u00e4dagogische Arbeit an der Schule bieten k\u00f6nnen oder auch als Basis f\u00fcr die Entwicklung eines effektiven Konzeptes des lebensbegleitendes Lernens dienen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Lebensbegleitendes Lernen bedeutet f\u00fcr die einzelne Schule (auch), dass sich diese \u00f6ffnen k\u00f6nnen muss f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse und Interessen der sie regional umgebenden Gesellschaft. Warum soll in Zukunft Schule nicht auch als Einrichtung der Erwachsenenbildung genutzt werden k\u00f6nnen? Warum kann Schule nicht als Modell demokratischer Lebensform mit weitgehenden Mitbestimmungsm\u00f6glichkeiten aller an der Schule beteiligten Personen gef\u00fchrt werden? Und warum sollte Schule nicht auch von privaten Vereinen genutzt werden k\u00f6nnen, die sich der Erziehung und Bildung der Kinder widmen. Es sind dies nur einige Ideen zur \u00d6ffnung der Schule, die uns zeigen, dass auch die einzelne Schule &#8211; und damit auch das gesamte Schulwesen &#8211; ihr Rollenverst\u00e4ndnis bei der Verwirklichung eines Konzeptes des lebensbegleitenden Lernens radikal \u00e4ndern wird m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Um diesem Ziel einer nach den Prinzipien der Selbstbestimmung und Selbst\u00e4ndigkeit gestalteten Schule n\u00e4her zu kommen, bedarf es nicht einer Schulreform &#8211; im Sinne der Wiederherstellung eines Zustandes nach altem (hierarchisch gesteuerten) Muster &#8211; oder einer Schulerneuerung von oben herab, sondern einer <em>Schulentwicklung<\/em>, die den p\u00e4dagogischen Prinzipien der reformp\u00e4dagogischen Konzepte konsequent entspricht.<\/p>\n<h2>Schulentwicklung<\/h2>\n<p>Entwicklung der Schule beinhaltet grunds\u00e4tzlich die Beteiligung und volle Einbeziehung der direkt Betroffenen, der Lehrerinnen und Lehrer, der Eltern und auch der Sch\u00fcler. Sie sind es, die ihre eigene Schule entwickeln k\u00f6nnen und im Sinne einer Selbstbestimmung auch m\u00fcssen. Erkl\u00e4rt man sich mit dieser Voraussetzung einverstanden, wird klar, dass sich Schulenwicklung nicht nur auch die Schulgestaltung einer einzelnen Schule beziehen wird, sondern &#8211; wie schon eingangs erw\u00e4hnt worden ist &#8211; eine strukturelle Ver\u00e4nderung des gesamten Schul- und Bildungswesens des Staates erfordert.<\/p>\n<p>Ich sehe in diesen Konzepten des selbstbestimmten Lernens eine unabdingbare Grundlage f\u00fcr das Erlernen der F\u00e4higkeit des lebensbegleitenden Lernens. Als Voraussetzung daf\u00fcr muss auch die Selbstbestimmung der (einzelnen) Bildungsinstitution Schule m\u00f6glich werden. Die Entwicklung eines eigenst\u00e4ndigen, didaktisch fundierten p\u00e4dagogischen Konzeptes, die Organisation des inneren Bereiches der Schule, z.B. nach <em>alters\u00fcbergreifenden Lerngruppen<\/em> an Stelle von starren Jahrgangsklassen, die <em>Gestaltung des Lehrplanes<\/em>, die <em>Innovation<\/em> eines Systems der <em>Bewertung von Leistungen<\/em> der Sch\u00fcler und der Lehrer und auch die weitestgehende <em>Kooperation<\/em> zwischen Schulen k\u00f6nnen der <em>autonomen Gestaltung<\/em> einer Schule \u00fcberantwortet werden. Lehrer, Eltern und Sch\u00fcler sind durchaus in der Lage in einem Entwicklungsprozess, ihre eigene Schule nach ihren p\u00e4dagogischen Vorstellungen und Notwendigkeiten zu gestalten, sofern sie dies auch tun wollen. Dazu ist Hilfe n\u00f6tig. Doch: Wer sich nicht selbst entwickeln darf, wird nur schwerlich anderen Menschen in ihrer Entwicklung behilflich sein k\u00f6nnen, auch nicht in ihrer Entwicklung zur F\u00e4higkeit eines lebensbegleitenden Lernens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Idee vom lebenslangen Lernen muss \u00fcberdacht und erweitert werden. 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