{"id":579,"date":"2014-03-11T15:09:35","date_gmt":"2014-03-11T15:09:35","guid":{"rendered":"?p=579"},"modified":"2022-08-18T13:25:34","modified_gmt":"2022-08-18T13:25:34","slug":"montessori-paedagogik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.eichelberger.at\/?p=579","title":{"rendered":"Kinder sind anders!"},"content":{"rendered":"\r\n<p style=\"text-align: left;\">Maria Montessori hat in der Kindheit nicht nur die Vorbereitung auf ein sp\u00e4teres Lebensalter gesehen. Wie jedes Lebensalter des Menschen hat auch die Kindheit nach Maria Montessoris Ansicht ihre <strong>Eigenbedeutung<\/strong>. Maria Montessori hat diese <strong>Eigenbedeutung<\/strong> im Ausspruch eines kleinen M\u00e4dchens sehr wohl erkannt: <strong>Hilf mir, es selbst zu tun! <\/strong>Hilf mir, die Pers\u00f6nlichkeit zu werden, die ich sein kann!<\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: 12pt;\">Harald Eichelberger, Gitta Bintinger, Renate Paulis<\/span><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Maria Montessori schuf ein Entwicklungskonzept auf der Grundlage der spontan arbeitenden sch\u00f6pferischen Auffassungskraft des Kindes. Im Zentrum dieser Auffassungskraft steht der sogenannte \u201e<strong>absorbierende Geist<\/strong>\u201c, eine individuelle geistige Kraft, aus der Umwelt Erfahrungen aufzunehmen, gleichsam aufzusaugen, und sich dadurch selbst zu bilden. (Montessori. M., Schule des Kindes, Freiburg 1976, S. 3)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Maria Montessori bringt das Ph\u00e4nomen des \u201e<strong>absorbierenden Geistes<\/strong>\u201c in einen engen Verst\u00e4ndniszusammenhang mit den \u201e<strong>sensiblen Phasen<\/strong>\u201c. Bei diesen \u201e<em>&#8230;handelt es sich um besondere Empf\u00e4nglichkeiten, die in der Entwicklung, das hei\u00dft im Kindesalter des Lebewesens, auftreten. Sie sind von vor- \u00fcbergehender Dauer und dienen vor allem dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten F\u00e4higkeit zu erm\u00f6glichen. Sobald dies geschehen ist, klingt die betreffende Empf\u00e4nglichkeit wieder ab<\/em>\u201c. (Montessori, M., Kinder sind anders, Stuttgart 1967 (1952), S. 47)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Gem\u00e4\u00df der Folge von ,,<strong>sensiblen Perioden<\/strong>\u201c, d. h. von Entwicklungsphasen besonderer Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr bestimmte Umweltreize (Z. B. Sprache, gegenst\u00e4ndliche Ordnungen, Mathematik, Problemzusammenh\u00e4nge) wird es dem Kind in einer entsprechend \u201e<strong>vorbereiteten Umgebung<\/strong>\u201c m\u00f6glich, seine individuellen Begabungen selbst auszubilden und zu bilden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die \u201e<strong>vorbereitete Umgebung<\/strong>\u201c ist zum einen jene \u00e4u\u00dfere Struktur der Umgebung, in der die Kinder die Materialien und Anregungen finden, die sie gem\u00e4\u00df ihres Entwicklungsstandes f\u00fcr die Bildung aller ihrer F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten aktuell brauchen, und zum anderen jene p\u00e4dagogische Grundeinstellung der Lehrerin (des Lehrers), die Maria Montessori in der Abschieds- rede des Montessori-Kurses 1938 in Barcelona beschrieben hat:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201e<em>Er muss das Kind. das arbeitet. respektieren. ohne es zu unterbrechen.<br \/>Er muss das Kin, das Fehler macht, respektieren, ohne es zu korrigieren.<br \/>Er muss das Kind respektieren, das sich ausruht und das die Arbeit an-erer betrachtet, ohne es zu st\u00f6ren und ohne es zur Arbeit zu zwingen.<br \/>Er muss aber unerm\u00fcdlich sein, immer wieder denen Gegenst\u00e4nde anzubieten, die sie schon einmal abgelehnt haben und Fehler machen.<br \/>Und dies, indem er seine Umgebung mit seinem Sorgen belebt, mit seinem bedachten Schweigen, mit seinem sanften Wort; mit der Gegenwart jemandes, der lieb<\/em>t.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>(Internationaler Montessori-Kursus Barcelona, 1938)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Diese \u201e<strong>vorbereitete Umgebung<\/strong>\u201c. die nicht nur vorbereitet. sondern auch entspannt sein muss, ist f\u00fcr jede Art ,,offenen Unterrichtes\u201c unbedingt not wendig. Sie bietet durch die Klarheit in der Anordnung der didaktischen Materialien den Kindern einen notwendigen p\u00e4dagogischen Rahmen, der ihnen Orientierung gibt und der selbst\u00e4ndiges Arbeiten \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die \u201e<strong>Polarisation der Aufmerksamkeit<\/strong>\u201c schlie\u00dflich ist das Schl\u00fcsselph\u00e4nomen, dessen Entdeckung Maria Montessori den Zugang zu einer wirksamen Unterst\u00fctzung kindlicher Entwicklung gewiesen hat. Sie nennt dieses Ph\u00e4nomen \u201e<em>einen wichtigen St\u00fctzpunkt, auf dem sich die kindliche Arbeit aufbaut<\/em>\u201c. (Holtstiege, H., Modell Montessori, Freiburg 1968, S. 174)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u00dcber die p\u00e4dagogische Bedeutung dieses Ph\u00e4nomens schrieb Maria Montessori:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201e<em>Dies ist offenbar der Schl\u00fcssel der ganzen P\u00e4dagogik: diese kostbaren Augenblicke der Konzentration zu erkennen, um sie beim Unterricht in Lesen, Schreiben, Rechnen, sp\u00e4ter in Grammatik, Mathematik und Fremdsprachen auszun\u00fctzen. Alle Psychologen sind sich \u00fcbrigens darin einig, dass es nur eine Art des Lehrens gibt: tiefstes Interesse und damit lebhafte und andauernde Aufmerksamkeit bei den Sch\u00fclern zu erwecken<\/em>.\u201c (Montessori, M., Das Kind in der Familie, Stuttgart 1924, S. 59)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Grunds\u00e4tze der Montessori \u2013 P\u00e4dagogik<\/h3>\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Freiarbeit<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Maria Montessori stellt die Bed\u00fcrfnisse des einzelnen Kindes in den Mittelpunkt des Unterrichts. Die freie Wahl der Arbeit ist grundlegendes Unterrichtsprinzip und f\u00fchrt Kinder zu Selbstbestimmung und Verantwortung. Das Kind kann aus dem Materialangebot frei w\u00e4hlen und bestimmen, wie lange, wie oft und mit wem es arbeiten m\u00f6chte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Bedingungen f\u00fcr die Freiarbeit:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n<li>Vorbereitete Umgebung;<\/li>\r\n<li>didaktische Materialien und<\/li>\r\n<li>Lehrerinnen mit der Denkweise Maria Montessoris.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die Montessori-Lehrerin<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Lehrerin ist vorwiegend Helferin: Sie unterst\u00fctzt die ihrem Weg zur Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung. Die richtige des Materials ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Sie greift aber m\u00f6glichst nicht in die Arbeit des Kindes ein.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die Bedeutung der Entwicklungsmaterialien<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eDie H\u00e4nde sind das Werkzeug menschlicher Intelligenz.&#8220; (Maria Montessori)<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Maria Montessori entwickelte didaktische Materialien, die aufeinander bezogen sind und eine direkte oder indirekte Fehlerkontrolle enthalten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n<li>Jedes Material vermittelt einen einzigen Lernschritt und ist auf eine Schwierigkeit begrenzt.<\/li>\r\n<li>Alle Materialien erfordern ein Hantieren mit konkreten Gegenst\u00e4nden.<\/li>\r\n<li>Bei der Arbeit mit dem Material vollbringt das Kind nicht nur kognitive Leistungen, vielmehr werden auch seine Sinne und Psyche angesprochen.<\/li>\r\n<li>Die vorbereitete Umgebung, die Lehrerin und das Material bilden eine Einheit und schaffen die M\u00f6glichkeit f\u00fcr das Kind, sich seinen eigenen Gesetzen entsprechend entfalten zu k\u00f6nnen.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die vorbereitete Umgebung<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eDie Verantwortung der Erwachsenen ist so gro\u00df, da\u00a7 ihm daraus die Pflicht erw\u00e4chst, mit aller wissenschaftlichen Gr\u00fcndlichkeit die seelischen Bed\u00fcrfnisse des Kindes zu erforschen und ihnen eine entsprechende Umwelt zu bereiten.&#8220; (Maria Montessori)<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Maria Montessori schuf eine vorbereitete Umgebung, in der das Kind selbst t\u00e4tig werden und damit den Aufbau seiner Pers\u00f6nlichkeit vollziehen kann.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Umgebung muss<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n<li>dem Kind angepasst und entspannt,<\/li>\r\n<li>geordnet und \u00fcberschaubar sein und<\/li>\r\n<li>zum T\u00e4tigwerden auffordern.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Nur in einer vorbereiteten Umgebung, in der sich das Kind frei f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit entscheidet, kann es zur Polarisation der Aufmerksamkeit kommen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die Polarisation der Aufmerksamkeit<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eSo wie es beim Zirkel notwendig ist, einen Punkt festzulegen, damit der Kreis genau wird, so ist, beim Aufbau des Kindes die Aufmerksamkeit der wesentlichste Punkt.&#8220; (Maria Montessori)<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Maria Montessori beobachtete bei Kindern, die mit dem didaktischen Material arbeiten, ein Ph\u00e4nomen: Durch den aktiven Kontakt zwischen Kind und Gegenstand kommt es zur besonders intensiven Konzentration der Aufmerksamkeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die freie Wahl der T\u00e4tigkeit in einer vorbereiteten Umgebung ist eine wichtige Vorbedingung f\u00fcr die Polarisation der Aufmerksamkeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Es gibt drei Stufen:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n<li>Vorbereitende Stufe \u2013 Kind w\u00e4hlt das Material.<\/li>\r\n<li>Stufe der gro\u00dfen Arbeit \u2013 Kind arbeitet mit gro\u00dfer Konzentration.<\/li>\r\n<li>Stufe der Verarbeitung \u2013 Kind r\u00e4umt das Material weg und beendet die Arbeit: es ruht sich aus.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Die sensiblen Phasen<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201eDie Neugierde ist ein Ansto\u00df zum Lernen.&#8220; (Maria Montessori)<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Maria Montessori beobachtete bei heranwachsenden Kindern sensible Phasen. In ihnen dominieren ganz bestimmte Bed\u00fcrfnisse und pr\u00e4gen die kindlichen Interessensbereiche. Im Verlauf einer sensiblen Phase eignet sich das Kind Sachverhalte sehr leicht und ganzheitlich an.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Es handelt sich um besondere Empf\u00e4nglichkeiten, die in der Entwicklung, das hei\u00dft im Kindesalter, auftreten. Sie sind von vor\u00fcbergehender Dauer und dienen dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten F\u00e4higkeit zu erm\u00f6glichen. Sobald dies geschehen ist, klingt die betreffende Empf\u00e4nglichkeit wieder ab.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Der absorbierende Geist<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Kind und Erwachsener haben eine unterschiedliche Geistesform. Erwachsene nehmen ihr Wissen auch mit Hilfe der Intelligenz auf. Das Kind absorbiert es mit seinem ganzen psychischen Leben. Gerade darin \u00e4u\u00dfert sich das qualitative Anderssein der fr\u00fchkindlichen Intelligenz und ihrer Aktivit\u00e4ten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Kinder sind anders!<\/h5>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Maria Montessori hat in der Kindheit nicht nur die Vorbereitung auf ein sp\u00e4teres Lebensalter gesehen. Wie jedes Lebensalter des Menschen hat auch die Kindheit ihre <strong>Eigenbedeutung<\/strong>. Maria Montessori hat diese <strong>Eigenbedeutung<\/strong> im Ausspruch eines kleinen M\u00e4dchens sehr wohl erkannt: <strong>Hilf mir, es selbst zu tun! <\/strong>Hilf mir, die Pers\u00f6nlichkeit zu werden, die ich sein kann!<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maria Montessori hat in der Kindheit nicht nur die Vorbereitung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-579","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-montessori-paedagogik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/579","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=579"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/579\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}