{"id":580,"date":"2014-03-17T09:36:44","date_gmt":"2014-03-17T09:36:44","guid":{"rendered":"?p=580"},"modified":"2022-08-18T05:55:35","modified_gmt":"2022-08-18T05:55:35","slug":"beitraege-reformpaedagogischer-modelle-zur-aktuellen-schulreform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.eichelberger.at\/?p=580","title":{"rendered":"Beitr\u00e4ge reformp\u00e4dagogischer Modelle zur aktuellen Schulreform"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Symposium 2014 &#8211; P\u00e4dagogische Hochschule Vorarlberg &#8211; Feldkirch<\/h5>\n\n\n\n<p>Mein selbst gew\u00e4hltes Thema versteckt ein kleines Dilemma. Das Thema das Referates beinhaltet zwei Schl\u00fcsselbegriffe: \u201ereformp\u00e4dagogische Modelle\u201c und \u201eaktuelle Schulreform\u201c. \u00dcber reformp\u00e4dagogische Modelle wird sicherlich schon ausf\u00fchrlich referiert werden. Daher werde ich mich entscheiden, den Schwerpunkt meines Referates auf den zweiten Schl\u00fcsselbegriff zu verlegen: die aktuelle Schulreform. Sie werden sich nun vielleicht fragen: \u201eWelche aktuelle Schulreform?\u201c Da ich darauf mangels einer aktuellen Schulreform in \u00d6sterreich leider keine Antwort wei\u00df, m\u00f6chte ich ihnen vorschlagen, dass ich ihnen eine Skizze bieten darf, wie eine aktuelle Schulreform in \u00d6sterreich aussehen k\u00f6nnte, die auf den didaktischen Werten einiger reformp\u00e4dagogischer Modelle beruht.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Beitr\u00e4ge reformp\u00e4dagogischer Modelle zur aktuellen Schulreform<\/h4>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Harald Eichelberger<br><a href=\"http:\/\/www.eichelberger.at\">www.eichelberger.at<\/a><\/h5>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Symposium 2014<\/h5>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">P\u00e4dagogische Hochschule Vorarlberg<\/h5>\n\n\n\n<p>Mein selbst gew\u00e4hltes Thema versteckt ein kleines Dilemma. Das Thema das Referates beinhaltet zwei Schl\u00fcsselbegriffe: \u201ereformp\u00e4dagogische Modelle\u201c und \u201eaktuelle Schulreform\u201c. \u00dcber reformp\u00e4dagogische Modelle wird sicherlich schon ausf\u00fchrlich referiert werden. Daher werde ich mich entscheiden, den Schwerpunkt meines Referates auf den zweiten Schl\u00fcsselbegriff zu verlegen: die aktuelle Schulreform. Sie werden sich nun vielleicht fragen: \u201eWelche aktuelle Schulreform?\u201c Da ich darauf mangels einer aktuellen Schulreform in \u00d6sterreich leider keine Antwort wei\u00df, m\u00f6chte ich ihnen vorschlagen, dass ich ihnen eine Skizze bieten darf, wie eine aktuelle Schulreform in \u00d6sterreich aussehen k\u00f6nnte, die auf den didaktischen Werten einiger reformp\u00e4dagogischer Modelle beruht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind dies die folgenden Modelle:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Montessori-P\u00e4dagogik (Maria Montessori)<\/li><li>Jenaplan-P\u00e4dagogik (Peter Petersen)<\/li><li>Freinet-P\u00e4dagogik (C\u00e9lestin Freinet)<\/li><li>Daltonplan-P\u00e4dagogik (Helen Parkhurst)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Um Authentizit\u00e4t bem\u00fcht, lade ich sie ein, mit mir gemeinsam einen kleinen Ausflug in die \u201ereformp\u00e4dagogische\u201c Vergangenheit zu unternehmen. Wir reisen in die Zeit der Hochbl\u00fcte der Reformp\u00e4dagogik, und ich habe ihnen aus dieser Zeit einige Bilder mitgebracht, mit denen ich gerne die Basis illustrieren m\u00f6chte, auf der wir unsere Skizze dann weiterzeichnen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Abb. 1 \u2013 Maria Montessori \u2013 verm. 1924 \u2013 bei dem Besuch ihrer \u201escuola modella\u201c in Wien<\/p>\n\n\n\n<p>Maria Montessori besuchte anfangs der Zwanzigerjahre die Schule, bzw. das Kinderhaus in Wien 10., in der Troststra\u00dfe, ein Kinderhaus in einem Armenviertel in Wien, nicht un\u00e4hnlich dem Mail\u00e4nder Armenviertel San Lorenzo, in dem Maria Montessori ihre P\u00e4dagogik mit den Kindern entwickelte. Maria Montessori nannte dieses Kinderhaus eine \u201escuola modella\u201c. Das Kinderhaus in Wien wurde von einer Gruppe junger j\u00fcdischer Frauen um Lili Roubiczeck und Emma Plank aufgebaut und immer weiterentwickelt.<a id=\"ftnref1\" style=\"vertical-align: super;\" href=\"#ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Ihre Arbeit ist einigerma\u00dfen gut dokumentiert. Diese reformp\u00e4dagogische Unterrichtsentwicklung fand in einer schulpolitisch akzeptierenden Umgebung statt, die heute nur mehr schwer vorstellbar ist. 1931 \u00fcbersiedelte diese Schule in ein gem\u00e4\u00df der Montessori-P\u00e4dagogik erbautes Schulgeb\u00e4ude in den 1. Bezirk an den Rudolfplatz. Entworfen wurde diese Schule von Lili Roubiczeck gemeinsam mit dem Architekten Franz Schuster, und unterst\u00fctzt wurde dieses Projekt wohlwollend von Stadtschulrat f\u00fcr Wien unter Otto Gl\u00f6ckel. Wien trug damals den Ehrentitel \u201eHauptstadt des Kindes in Europa\u201c, verliehen vom Schweizer Reformp\u00e4dagogen Adolphe Ferri\u00e8re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Abb. 2 \u2013 Kinderhaus Wien 10., Troststra\u00dfe: Konzentrierte, selbst bestimmte Arbeit<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir einen verstehenden Blick auf dieses Bild werfen, so k\u00f6nnen wir vor allem eines erkennen: diese Kinder lernen, sie arbeiten an sich selbst und sie arbeiten an ihrer eigenen Entwicklung, an der Entwicklung ihrer Pers\u00f6nlichkeit. Halten wir bitte diesen Gedanken fest. Er wird wichtig, wenn wir \u00fcber die Anregungen zu einer m\u00f6glichen aktuellen Schulreform sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nicht nur die konzentrierte, selbst bestimmte Arbeit der Kinder mit den von ihr entwickelten Entwicklungsmaterialien ist der Inhalt der P\u00e4dagogik Maria Montessoris. Zur Zeit ihres Besuches in Wien publizierte Maria Montessori eine Abhandlung zum Begriff der \u201eSelbsterziehung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Abb. 3 \u2013 Montessori, Maria: Die Selbsterziehung des Kindes<a id=\"ftnref2\" style=\"vertical-align: super;\" href=\"#ftn2\" name=\"_ftnref2\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff der \u201eSelbsterziehung\u201c zeigt uns das radikale Umdenken dieser gro\u00dfen Reformp\u00e4dagogin. Sie sieht ihre p\u00e4dagogische Aufgabe darin, den Kindern in einer \u201eVorbereiteten Umgebung\u201c die Gelegenheit zur Selbsterziehung zu geben, zur Selbstentfaltung und zur selbst bestimmten Entwicklung. In diesem Sinne ist auch der ber\u00fchmt gewordene Ausspruch eines \u201eihrer\u201c Kinder zu verstehen: \u201eHilf mir, es selbst zu tun!\u201c Wir m\u00fcssen aber auch den Kontext hinzuf\u00fcgen, in den Maria Montessori diesen Spruch gestellt hat, wenn wir ihre P\u00e4dagogik konsequent verstehen wollen: \u201eHilf mir, es selbst zu tun, die Pers\u00f6nlichkeit zu werden, die ich bin!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sinne einer Zusammenschau reformp\u00e4dagogischer Modelle erlaube ich mir den Gedanken Maria Montessori zur \u201eSelbsterziehung\u201c mit einem Zitat Peter Petersens zu erg\u00e4nzen. Er stellt in seinem ber\u00fchmt gewordenen Zitat eine das Wesentliche \u2013 auch aktuelle P\u00e4dagogik \u2013 ber\u00fchrende Frage:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWie soll die Erziehungsgemeinschaft beschaffen sein, in der und durch die ein Mensch seine Individualit\u00e4t zur Pers\u00f6nlichkeit vollenden kann?\u201c<\/em><a id=\"ftnref3\" style=\"vertical-align: super;\" href=\"#ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup><strong><sup>[3]<\/sup><\/strong><\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte Damen und sehr geehrte Herren, um eine Antwort auf diese Frage m\u00fcssen sich alle P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen t\u00e4glich bem\u00fchen, denen es ein Anliegen ist, dass die ihnen anvertrauten Kinder, sich zu der ihnen innewohnenden Pers\u00f6nlichkeit entwickeln k\u00f6nnen. Von der Antwort auf diese Frage nach der Beschaffenheit der Erziehungsgemeinschaft wird die Richtung m\u00f6glicher Schulreformen bestimmt. Bef\u00fcrworten sie beispielsweise eine inklusive Erziehungsgemeinschaft, so haben sie eigentlich auch schon die Antwort auf die Frage \u201eGesamtschule \u2013 ja oder nein?\u201c vorweggenommen. Die Gesamtschule ist eine Schule der Vielfalt, eine Schule der Vielfalt des Lebens. F\u00fcr diese Schule brauchen wir eine P\u00e4dagogik der selbst bestimmten Pers\u00f6nlichkeitsbildung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Blick auf die bildungspolitischen Vorstellungen der OECD zeigt uns, dass auch im europ\u00e4ischen Kontext als didaktische Orientierung f\u00fcr eine moderne Schulpolitik nicht der Erwerb von Wissen, sondern die Bildung pers\u00f6nlichkeitsf\u00f6rdernder Basiskompetenzen empfohlen wird:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>F\u00fcr sich selbst verantwortlich sein k\u00f6nnen;<\/li><li>Initiativkraft entwickeln;<\/li><li>Flexibilit\u00e4t und Probleml\u00f6sungsverhalten;<\/li><li>Teamf\u00e4higkeit;<\/li><li>Leistungsmut;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Der Erwerb dieser Schl\u00fcsselqualifikationen ist Voraussetzung und gleichzeitig Mittel zur Selbstbildung und zur Allgemeinbildung, deren Inhalte ma\u00dfgeblich und selbst verantwortlich vom Lernenden selbst mitbestimmt werden. Diese Schl\u00fcsselkompetenzen sind die Grundlage, die Lernen \u2013 auch in der Schule \u2013 zu einem nachhaltigen Erleben und zu einer das Leben bestimmenden und f\u00fcr das Leben bedeutenden F\u00e4higkeit werden lassen. Das Wesentliche des Lernens und der Bildung hat der niederl\u00e4ndische Philosophen Peter Sloterdijk umschrieben: Lernen ist Vorfreude auf sich selbst!<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Schule, die sich einer solchen kindgem\u00e4\u00dfen P\u00e4dagogik verpflichtet f\u00fchlt, hat die Aufgabe<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Lernen als Freude an sich selbst zu erhalten und<\/li><li>Lernen als eine meinem Leben Sinn gebende T\u00e4tigkeit zu verwirklichen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Doch: Wie sieht diese Schule aus, in der \u201eich \u2026 meine Pers\u00f6nlichkeit bilden kann?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte zur vorl\u00e4ufigen Beantwortung dieser Frage von einem Beispiel ausgehen. Zu diesem Zweck f\u00fchre ich sie in eine Grundschule.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Zeitlich flexibler Schuleintritt<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Gruppe der 3 (4)-6 J\u00e4hrigen&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Gruppe der 3(4)-6 J\u00e4hrigen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Schleusengruppe oder Vorschulgruppe<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Gruppe der 6-9 J\u00e4hrigen &#8212; Gruppe der 6-9 J\u00e4hrigen &#8212; Gruppe der 6-9 J\u00e4hrigen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Gruppe der 9-12 J\u00e4hrigen &#8212; Gruppe der 9-12 J\u00e4hrigen &#8212; Gruppe der 9-12 J\u00e4hrigen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Weiter f\u00fchrende Schule<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sie sehen k\u00f6nnen, ist die Entwicklung und Gestaltung einer Schule nach reformp\u00e4dagogischen Erziehungsideen ein sch\u00f6pferischer und kreativer Akt, bei dem wir vornehmlich unserem Ziel der selbstbestimmten Pers\u00f6nlichkeitsbildung verpflichtet sind. Dieser sch\u00f6pferische und kreative Akt muss von den an der Schule direkt beteiligten Menschen vollzogen werden: den Lehrerinnen und Lehrern, den Eltern und den Kindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Lehrerinnen und Lehrer sind in unserer Gesellschaft die einzige p\u00e4dagogisch professionalisierte Gruppe, die \u00fcber das Wissen und K\u00f6nnen verf\u00fcgt, ihre eigene Schule schulautonom zu gestalten und diese Schulentwicklung und Schulgestaltung in Kooperation mit den Eltern und Kindern zu vollziehen. <span style=\"line-height: 115%;\">Peter Petersen will eine Schulgemeinde bilden, eine Gemeinschaft bestehend aus Erziehern, Eltern und Sch\u00fclern. Diese drei Personengruppen wirken an der Erziehung des Kindes zusammen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Schuleintrittsphase ist die Schulgemeinde in unserem Beispiel von der Idee des Kinderhauses nach Maria Montessori ausgegangen. Dieser Idee des Kinderhauses folgend sind Kindergarten und Schule unter einem Dach vereint, und die Kinder haben die M\u00f6glichkeit, die Gruppen gem\u00e4\u00df ihrem Entwicklungsstand zu wechseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gruppen sind altersheterogen strukturiert und umfassen in der Regel drei Jahrg\u00e4nge. Sowohl Maria Montessori wie auch Peter Petersen nennen diese Altersstrukturierung eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr das Gelingen selbstt\u00e4tigen und selbst bestimmten Lernens und Lebens in der Schule. Damit sind die Jahrgangsklasse und das \u201eSitzenbleiberelend\u201c (Peter Petersen) abgeschafft. Das Entwicklungstempo der Kinder kann seine entsprechende Ber\u00fccksichtigung finden.<\/p>\n\n\n\n<p>An Stelle des \u201eFetzenstundenplans\u201c (Peter Petersen) treten eine rhythmisierter Tagesablauf und ein ebenso rhythmisierter Wochenarbeitsplan, der den Lernbed\u00fcrfnissen der Kinder entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer kurzen Zwischenbilanz k\u00f6nnen wir nun vermerken, dass wir in unserem kleinen Beispiel drei wichtige Schritte zu einer aktuellen Schulreform getan haben: Wir haben die Reform der Schule in die Verantwortung der direkt Beteiligten gegeben, wir haben die Gruppierungsform in der Schule und den Lernrhythmus reformiert. Meiner Erfahrung nach, die ich auch als Schulentwickler sammeln konnte, sind diese Schritte wesentliche Voraussetzungen, dass \u2013 wie ich schon angedeutet habe \u2013 Kinder in der Schule lernen und an sich arbeiten k\u00f6nnen, anstatt unterrichtet zu werden. Wir tappen noch viel zu oft in unserem didaktischen Denken in die so genannte Lehr-Lern-Falle, indem wir annehmen, dass das, was wir unterrichten auch gelernt wird. Dem ist oft aber nicht so\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sieht die dazu notwendige Lernumgebung aus?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Abb. 4 \u2013 Vorbereitete Umgebung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Abb. 5 \u2013 Vorbereitete Umgebung \u2013 Arbeit am Pasqualschen Dreieck<\/p>\n\n\n\n<p>Mit welchen Ideen und Einrichtungen welcher reformp\u00e4dagogischer Modelle werden wir uns identifizieren k\u00f6nnen? Sind sie vielleicht \u00fcberzeugt von der didaktischen Kraft und methodischen Eleganz der didaktischen Materialien Maria Montessoris? Ich bin \u00fcberzeugt, von der inhaltlichen Klarheit, der didaktischen Richtigkeit und der Bildungskraft der Arbeit mit diesen Materialien und den Kindern. Aber das geht nicht allen Menschen so. Oder m\u00f6chten sie f\u00fcr ihre Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler eher Ateliers einrichten und sich an der Freinet-P\u00e4dagogik orientieren? Oder bevorzugen sie das Lernen in Bibliotheken oder Dokumentationszentren, um nur einige M\u00f6glichkeiten anzuf\u00fchren? Verbs\u00e4umen sie es aber bitte nicht, die Modelle der Reformp\u00e4dagogik intensiv zu studieren und dann ihr eigenes didaktisches Konzept zu entwickeln und immer wieder zu reflektieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Helen Parkhurst vertritt die These, dass die traditionelle P\u00e4dagogik den Lernprozess des Sch\u00fclers ausschlie\u00dflich aus der Perspektive des <em>Lehrenden, \u201edurch das falsche Ende des Fernrohrs\u201c<\/em> (\u201ethrough the wrong end of the telescope\u201c)<a id=\"ftnref4\" style=\"vertical-align: super;\" href=\"#ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> betrachtet. Ihrem Bildungsverst\u00e4ndnis nach zu urteilen muss jeglicher Lernfortschritt aus der <em>Eigenaktivit\u00e4t des Lernenden <\/em>entspringen. Dieser Punkt bereitet unter Umst\u00e4nden manchen P\u00e4dagoginnen und manchen P\u00e4dagogen in ihren Vorstellungen Schwierigkeiten. Ist es doch nicht leicht, die Eigenaktivit\u00e4t des Lernenden zum Prinzip zu erheben und doch die p\u00e4dagogische Steuerung des Unterrichtes nicht au\u00dfer Acht zu lassen. Hier ergibt sich vor allem f\u00fcr die Lehrer ein \u00fcberaus spannender Lernprozess. Helen Parkhurst individualisiert den Lernprozess der Kinder mit Hilfe von Lernaufgaben, so genannten assignments. Sie betrachtet \u201eihre\u201c Dalton-Schule als \u201echildren\u2019s university. Die assignments oder Pensen ber\u00fccksichtigen den Lernfortschritt und die Eigeninitiative der Lernenden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDas Grundprinzip besteht also darin, die (traditionellen) Lehrstrategien in eine Didaktik der Aneignungsstrategien zu \u00fcbersetzen.\u201c <\/em><a id=\"ftnref5\" style=\"vertical-align: super;\" href=\"#ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup><strong><sup>[5]<\/sup><\/strong><\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Abb. 6 \u2013 Sch\u00fclerin der Sek-I beim Aussuchen ihres Wochenpensums<\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet f\u00fcr unsere Diskussion nach Vorstellungen f\u00fcr eine aktuelle Schulreform, dass reformp\u00e4dagogische Schulen bzw. reformp\u00e4dagogischer Unterricht sich auf die Frage der Gestaltung des individuellen Lernprozesses in einer f\u00fcr diesen Lernprozess optimalen Lernumgebung konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich sie darauf aufmerksam machen, dass die \u00f6sterreichische Schulpolitik mit der Frage \u201eGesamtschule ja oder nein?\u201c lediglich eine ideologische Scheinfrage diskutiert. Eine (reform)p\u00e4dagogische Schule geht von der Pr\u00e4misse aus, jeder Sch\u00fclerin, jedem Sch\u00fcler zu helfen, seine Begabungen zu aktualisieren und seiner Individualit\u00e4t und seiner Pers\u00f6nlichkeit gerecht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Entwicklung einer Schule muss es allen Beteiligten ein Anliegen sein, zu den p\u00e4dagogischen Prinzipien der <em>Selbstbestimmung<\/em>, der <em>Selbstbildung<\/em> und der <em>Selbstt\u00e4tigkeit<\/em> eine Struktur des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens zu finden, die nicht im Widerspruch zu den genannten Prinzipien steht. Daher gehen wir bei unseren Vorstellungen von einer aktuellen Schulreform davon aus, dass Schule die Aufgabe hat, demokratisches Leben erleben zu lassen, mit allen Schwierigkeiten, Problemen, aber auch als \u00fcbergeordneten Wert der Bildung. Wichtigstes demokratisches Forum der Schule ist die so genannte <em>Schulkonferenz<\/em>. In der Schulkonferenz sind alle Lehrerinnen und Lehrer vertreten, die jeweilige, auf Zeit bestellt Vertretung der Schule \u2013 wir nennen diese Vertretung absichtlich nicht Schulleitung \u2013, die Sch\u00fclervertreter und die Elternvertreter. F\u00fcr weitere Anregungen zur Frage der Demokratieerziehung werden wir dann bei C\u00e8lestin Freinet nachschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz vor dem Ende meines Referates m\u00f6chte ich sie noch darauf aufmerksam machen, dass wir en passant auch die anscheinend und unver\u00e4nderbare Jahrgangseinteilung der hierarchischen<\/p>\n\n\n\n<p>Ordnung der Schularten ins Wanken gebracht haben. In meinem Beispiel haben wir den Eintritt der Kinder in die Grundschule vorverlegt. Wir haben die Grundschule verl\u00e4ngert. Wir haben die SEK-I zu einer echten Mittelschule und Gesamtschule gemacht. Nun sollten wir auch noch die SEK-II-Stufe \u2013 wie beispielsweise die Pisa-erfolgreichen L\u00e4nder \u2013 als eine Schule mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher horizontaler und vertikaler Durchl\u00e4ssigkeit und Flexibilit\u00e4t diskutieren, die ebenso vom Jahrgangssystem Abstand nimmt und in Modulen und Kursen eine neue Organisationsform findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch viel mehr Anregungen finden sie auf der folgenden Web-siten<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.eichelberger.at\">www.eichelberger.at<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.blikk.it\/angebote\/reformpaedagogik\/infothek\">http:\/\/www.blikk.it\/angebote\/reformpaedagogik\/infothek<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a id=\"ftnref1\" style=\"vertical-align: super;\" href=\"#ftnref1\" name=\"ftn1\">[1]<\/a> &nbsp;<span style=\"font-size: 8pt;\">Siehe auch: Rudolfsplatz \u2013 Haus der Kinder<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\"><a id=\"ftnref2\" style=\"vertical-align: super;\" href=\"#ftnref2\" name=\"ftn2\">[2]<\/a>&nbsp; <a href=\"http:\/\/www.eichelberger.at\">www.eichelberger.at<\/a><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\"><a id=\"ftnref3\" style=\"vertical-align: super;\" href=\"#ftnref3\" name=\"ftn3\">[3]<\/a><span style=\"line-height: 115%;\">&nbsp; Petersen, Peter, Der kleine Jenaplan \u2013 54\/55. Aufl. Weinheim 1974, S.7<\/span><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\"><a id=\"ftnref4\" style=\"vertical-align: super;\" href=\"#ftnref4\" name=\"ftn4\">[4]<\/a>&nbsp; Parkhurst, Helen, a.a.O., S.23<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-size: 8pt;\"><a id=\"ftnref5\" style=\"vertical-align: super;\" href=\"#ftnref5\" name=\"ftn5\">[5]<\/a>&nbsp; Popp, Susanne, Der Daltonplan in Theorie und Praxis<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Symposium 2014 &#8211; P\u00e4dagogische Hochschule Vorarlberg &#8211; Feldkirch Mein selbst [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-580","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-unterrichtsentwicklung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/580","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=580"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/580\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=580"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=580"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=580"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}