{"id":582,"date":"2014-04-03T12:55:24","date_gmt":"2014-04-03T12:55:24","guid":{"rendered":"?p=582"},"modified":"2014-04-03T12:55:24","modified_gmt":"2014-04-03T12:55:24","slug":"reformpaedagogische-ansaetze-in-der-interkulturellen-paedagogik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.eichelberger.at\/?p=582","title":{"rendered":"Reformp\u00e4dagogische Ans\u00e4tze in der Interkulturellen P\u00e4dagogik"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin-top: 6pt;\">Nach Adolphe Ferri\u00e8re soll der Unterricht der Entwicklung des Kindes folgen \u2013 ein sehr aktueller Diskussionspunkt, wie auch heutige Erkenntnisse best\u00e4tigen. Die Kinder dort abzuholen, wo sie gerade sind, ist eine der Forderungen des Lehrplans f\u00fcr das Regelschulwesen. Francois Navillefordert Eigent\u00e4tigkeit der Sch\u00fcler \u2013 wiederum eine wesentliche methodische Erkenntnis, deren Anwendung sinnvoll ist f\u00fcr alle Kinder. Besonders aber Kinder von Migranten erarbeiten sich die neue Sprache und Fachwissen intensiver und auf lange Zeit hin effektiver durch Begreifen, durch eigene Erfahrung und durch selbstt\u00e4tiges Lernen mittels Nachschlagetechnik oder speziell angefertigten Medien. Die Erhebung von Vorkenntnissen eines eventuell bereits durchlaufenen Alphabetisierungsprozesses und ggf. schulischer Vorbildung sind daf\u00fcr anfangs notwendig.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Furch, Elisabeth: Reformp\u00e4dagogische Ans\u00e4tze in der Interkulturellen P\u00e4dagogik. In: Eichelberger, Harald: Lebendige Reformp\u00e4dagogik. Innsbruck 1997, StudienVerlag<\/p>\n<div class=\"WordSection1\">\n<h1>Reformp\u00e4dagogische Ans\u00e4tze in der Interkulturellen P\u00e4dagogik<\/h1>\n<h1 style=\"text-align: right;\" align=\"right\">Elisabeth Furch<\/h1>\n<p class=\"Vorspann\" style=\"margin-left: 0cm;\">Die Schule der Zukunft wird eine integrative Schule sein. Die Schule der Zukunft wird ebenso eine interkulturelle Schule sein.<\/p>\n<p class=\"Vorspann\" style=\"margin-left: 0cm;\">Theo Boland<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Das Wiener Schulwesen ist seit Jahrzehnten multikulturell gepr\u00e4gt. Jeder, der mit dem Schulwesen zu tun hatte, konnte in dieser Zeit unterschiedliche, aber jedenfalls sehr intensive pers\u00f6nliche Eindr\u00fccke \u00fcber die multikulturelle Realit\u00e4t gewinnen. Es ist daher erstaunlich, dass Gedanken \u00fcber Lernmotivation, Kreativit\u00e4t oder Individualit\u00e4t von Kindern noch immer wenig Eingang in die Praxis der Grundschulen gefunden haben.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Der Unterricht findet h\u00e4ufig lehrerzentriert statt, das Wohlbefinden der Zielgruppen \u2013 n\u00e4mlich der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u2013 scheint Nebensache zu sein. Das Wort <em>Reformp\u00e4dagogik<\/em> nimmt man im Regelschulbetrieb sehr selten in den Mund. Gerade in Klassen mit mehreren Kindern aus anderen L\u00e4ndern und mit verschiedenen Muttersprachen h\u00f6rt man in der n\u00e4heren Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Methoden im Feld der <em>Interkulturellen Erziehung<\/em> geradezu den Hilferuf, den das Gedankengut der Reformp\u00e4dagogik erf\u00fcllen kann.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Leider kommen immer wieder Studierende der P\u00e4dagogischen Akademie des Bundes in Wien nach ihren ersten Dienstjahren desillusioniert, an der Ausbildung und den Ausbildnern zweifelnd, zur\u00fcck und erschweren das weitere, fast missionarische Verbreiten der Grunds\u00e4tze eines kindgerechten, an psycho\u00adlogischer Kindesentwicklung orientierten Unterrichts, der aber seit l\u00e4ngerer Zeit schon im derzeit g\u00fcltigen Lehrplan der Pflichtschulen sogar gefordert wird.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Die Diskrepanz zwischen Lehrerausbildung und des tagt\u00e4glich routinem\u00e4\u00dfig und leider immer wieder unreflektiert ablaufenden Schulalltags ist offensichtlich!<\/p>\n<p style=\"margin: 6pt 0cm; text-indent: 0cm;\">Studierende nehmen neues Gedankengut, das die Ver\u00e4nderung bisherigen Unterrichts fordert, ernsthaft und erfreut entgegen und versuchen tats\u00e4chlich, reformp\u00e4dagogisches Gedankengut im Klassenverband ihrer zugewiesenen Praxisklasse umzusetzen. Die schon vorhandene Schulwirklichkeit steht ihnen oft skeptisch gegen\u00fcber.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\"><span style=\"font-size: 11pt; font-family: 'Times New Roman','serif';\"><br style=\"page-break-before: always;\" clear=\"all\" \/> <\/span><\/p>\n<h2>Gedanken zur Verkn\u00fcpfung von Interkultureller P\u00e4dagogik und Reformp\u00e4dagogik<\/h2>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Die <em>Reformp\u00e4dagogik <\/em>besch\u00e4ftigt sich weitgehend mit der kindlichen Entwicklung, der sogenannten nat\u00fcrlichen Erziehung und mit einer P\u00e4dagogik, die eben von der Entwicklung des Kindes ausgeht. Gerade dieses Gedankengut sollte in der <em>Interkulturellen P\u00e4dagogik <\/em>als Voraussetzung f\u00fcr ein Lernen miteinander und voneinander Eingang finden.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Die P\u00e4dagogik erlebte im 19. Jahrhundert den Wandel von einer eher idealistischen Philosophie zu einer pragmatischen Schulp\u00e4dagogik. Ende des 19. Jahrhunderts war die allgemeine Schulpflicht realisiert und die Analphabeten\u00adquote im kaiserlichen \u00d6sterreich minimal. Die Schulzeit verl\u00e4ngerte sich nach und nach, die Effektivit\u00e4t der schulischen Ausbildung wurde gr\u00f6\u00dfer, die Ausbildung der Lehrer verbessert.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Nicht so in den L\u00e4ndern, aus denen die zurzeit in \u00d6sterreich lebenden Migrantenkinder zu uns gekommen sind. In der T\u00fcrkei beispielsweise gibt es nach wie vor viele Kinder, die w\u00e4hrend der Sommerzeit kaum bis gar nicht zur Schule kommen, da sie Schafe h\u00fcten m\u00fcssen oder bei der Ernte gebraucht werden. Ebenso k\u00f6nnen viele Kinder in Ostanatolien w\u00e4hrend der Winterzeit keine Schulen besuchen, da die Schneelage keine Transportm\u00f6glichkeit zul\u00e4sst und die Schulen zu Fu\u00df h\u00e4ufig nicht erreichbar sind. Die Schulpflicht nimmt nur einen Rahmen von f\u00fcnf Jahren ein \u2013 ein wesentlicher Unterschied zu unserem \u00fcblichen Verst\u00e4ndnis von Schullaufbahn.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">An dieser Stelle sei erw\u00e4hnt, dass das Wissen \u00fcber die heimatliche Schulsituation solcher Kinder, die dann als <em>Seiteneinsteiger <\/em>w\u00e4hrend ihrer Schullaufbahn in \u00f6sterreichische Regelschulklassen aufgenommen werden, bei allen beteiligten Beh\u00f6rden und Lehrpersonen Grundbedingung ist, um das neu angekommene Kind in unser Schulsystem ad\u00e4quat eingliedern und entsprechend f\u00f6rdern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Besonders sp\u00fcrbar ist Disharmonie, wenn Kinder mit besonderen Bed\u00fcrfnissen von Lehrpersonen oft nicht ad\u00e4quat beachtet oder verstanden werden. Kinder mit anderer Muttersprache als der Unterrichtssprache ben\u00f6tigen verst\u00e4rkt individuelle Betreuung, damit ihre innere Harmonie ann\u00e4hernd erhalten bleibt. Dies w\u00e4re die Voraussetzung f\u00fcr eine m\u00f6glichst gef\u00fchlvolle Integration dieser Kinder, ohne ihnen ihre Identit\u00e4t zu nehmen.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Die Innere Schulreform ver\u00e4nderte die Unterrichtsmethode. Pestalozzisreformp\u00e4dagogischen Ideen waren bahnbrechend. Er forderte u.a. Anschauungs\u00adunterricht, der eine unerl\u00e4ssliche Methode des Unterrichtens in multikulturell zusammengesetzten Lerngruppen ist. W\u00e4hrend des Alphabetisierungsprozesses ist das Lernen in der Zweitsprache ohne das Prinzip der Anschaulichkeit und die ohne Ber\u00fccksichtigung der Sch\u00fclerindividualit\u00e4t kaum m\u00f6glich. Kinder, die w\u00e4hrend ihrer Schullaufbahn in eine bestehende Lerngruppe einsteigen m\u00fcssen und mit der hier \u00fcblichen Unterrichtssprache bis dahin kaum bis gar nicht konfrontiert worden waren, ben\u00f6tigen au\u00dferdem spezielle Materialien mit einem hohen Grad an Anschaulichkeit.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Nach Adolphe Ferri\u00e8resoll der Unterricht der Entwicklung des Kindes folgen \u2013 ein sehr aktueller Diskussionspunkt, wie auch heutige Erkenntnisse best\u00e4tigen. Die Kinder dort abzuholen, wo sie gerade sind, ist eine der Forderungen des Lehrplans f\u00fcr das Regelschulwesen. Francois Navillefordert Eigent\u00e4tigkeit der Sch\u00fcler \u2013 wiederum eine wesentliche methodische Erkenntnis, deren Anwendung sinnvoll ist f\u00fcr alle Kinder. Besonders aber Kinder von Migranten erarbeiten sich die neue Sprache und Fachwissen intensiver und auf lange Zeit hin effektiver durch Begreifen, durch eigene Erfahrung und durch selbstt\u00e4tiges Lernen mittels Nachschlagetechnik oder speziell angefertigten Medien. Die Erhebung von Vorkenntnissen eines eventuell bereits durchlaufenen Alphabetisierungsprozesses und ggf. schulischer Vorbildung sind daf\u00fcr anfangs notwendig.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Schon Francois Naville sorgte f\u00fcr eine realit\u00e4tsnahe Lehreraus- und Fortbildung. Sie ist notwendig, um auf aktuelle Ereignisse und Situationen im Schulumfeld zu reagieren. Man kann nicht einfach voraussetzen, dass Lehrerinnen und Lehrer unentwegt in der Lage sind, sich zus\u00e4tzlich zu ihrem Schulalltag weiterzubilden. Sensible Bereiche, und dazu z\u00e4hle ich den Umgang mit Kindern anderer Muttersprache als der Unterrichtssprache, k\u00f6nnen grundlegend am besten w\u00e4hrend der Ausbildung von Studierenden zu Grundschul-, Sonder- oder Mittelstufenlehrerinnen und \u2013lehrern vermittelt werden.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Immer mehr in den Mittelpunkt der Interkulturellen P\u00e4dagogikr\u00fcckt die Erkenntnis einer P\u00e4dagogik vom Kinde aus. Migranten- oder Fl\u00fcchtlingskinder k\u00f6nnen ausschlie\u00dflich mit R\u00fccksicht auf ihren jeweiligen sozialen, \u00f6konomischen und psychischen Hintergrund in einem f\u00fcr sie v\u00f6llig neuen Land, einer fremden Kultur schulische Erfolge erringen. Lebensschicksale k\u00f6nnen durch Humanit\u00e4t und Hintergrundwissen der Bezugspersonen in der neuen Heimat positiv beeinflusst werden.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Berthold Otto beispielsweise meinte 1906 v\u00f6llig zu Recht, dass das Kind in seinen Anforderungen an seine Umwelt bzw. an sich selbst streng sei. Migrantenkinder wollen gleichberechtigt und gleich behandelt werden. Sie freuen sich, wenn sie bald nach ihrer neuen Schul- und Klassenzugeh\u00f6rigkeit die gleichen Schulb\u00fccher, Hefte und Lernmaterialien zur Verf\u00fcgung haben wie die Schulkameraden im Klassenverband. Sie sind selbstkritisch genug und bemerken sehr rasch ihre Grenzen. Besonders die Sprachbarriere erleben sie sehr deutlich, und oft sind diese Kinder anfangs verschreckt, manche verstummen sogar f\u00fcr mehrere Wochen oder Monate. Das m\u00fcsste nicht sein.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Maria Montessori weist in ihren Werken ausdr\u00fccklich auf den hohen Stellenwert der Individualit\u00e4t des Kindes hin und fordert eine radikale \u00c4nderung der p\u00e4dagogischen Ma\u00dfst\u00e4be. Sie zweifelt sogar an sich selbst, an der Sinn\u00adhaftigkeit der Ver\u00e4nderung der P\u00e4dagogik, die ja wiederum nur von Erwachsenen gesehen und umgesetzt wird und nicht eigentlich vom Kinde selbst ausgeht.<\/p>\n<p style=\"margin: 6pt 0cm; text-indent: 0cm;\">Auch hier ist der Appell, auf die Lernbereitschaft einzugehen, die vom kindlichen Gef\u00fchlsleben ausgeht. Migrantenkinder sollten nicht mit denselben Ma\u00dfst\u00e4ben gemessen werden wie die anderen Kinder der Lerngruppe: Sie brauchen anfangs viel Zeit, um sich einzugew\u00f6hnen und in der neuen h\u00e4uslichen und schulischen Umgebung orientieren zu k\u00f6nnen. Erst wenn sich ein Kind wohlf\u00fchlt und in der Unterrichtssprache einigerma\u00dfen ausdr\u00fccken kann, getraut es sich auch, seine pers\u00f6nlichen Anliegen, sein Wissen auszudr\u00fccken und seine Gef\u00fchle preiszugeben. Nun beginnt das Kind ganz von selbst, sich weiter zu entwickeln, Neues aufzunehmen und Interesse an verschiedenen Themen und Dingen zu zeigen und in der neuen Sprache zu sprechen, zu diskutieren und kreativ zu sein.<\/p>\n<h2>Schulreformkonzepte aus dem Blickwinkel Interkultureller P\u00e4dagogik<\/h2>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">John Deweystellte in seiner Laborschule in Chicago zentrale \u00dcberlegungen bez\u00fcglich einer Schulreform an, die durchaus f\u00fcr eine Schule mit einem hohen Prozentsatz an Migrantenkindern geeignet erscheinen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Verbindung zwischen Schule und dem Leben des Kindes soll hergestellt werden.<\/li>\n<li>Lehrinhalte sollen zentrale Bedeutung f\u00fcr das Kind haben, also aus der Lebenswelt des Kindes stammen.<\/li>\n<li>Der Bezug der F\u00e4higkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen zum t\u00e4glichen Leben soll hergestellt werden.<\/li>\n<li>Die Individualisierung der schulischen Erziehung soll im Mittelpunkt stehen.<\/li>\n<li>Praktische T\u00e4tigkeit \u2013 verstanden als Selbstt\u00e4tigkeit \u2013 soll Grundlage jeglichen Lernens darstellen.<\/li>\n<li>ein inniges Lehrer-Sch\u00fcler-Verh\u00e4ltnis herrschen sollte,<\/li>\n<li>L\u00f6sungen durch selbstgew\u00e4hlte Ziele auf selbstgew\u00e4hlten Wegen angestrebt werden,<\/li>\n<li>Lehrer anregen, darstellen und den Gemeinschaftssinn der Kinder wecken sollten,<\/li>\n<li>lebendiges Interesse der Kinder immer wieder geweckt werden sollte,<\/li>\n<li>das offene, zwanglose Gespr\u00e4ch eine der wichtigsten Lehrformen sein sollte,<\/li>\n<li>die durch die Kinder gemachten Gesetze Strafen und Verbote des Lehrers ersetzen,<\/li>\n<li>das Prinzip der Toleranz wesentlich ist,<\/li>\n<li>Gesamtunterricht im Vordergrund steht,<\/li>\n<li>die manuelle T\u00e4tigkeit nur dann wesentlich ist, wenn sie zur Vertiefung und L\u00f6sung geistiger Fragen notwendig ist.\n<ul>\n<li>Wahrung der Individualit\u00e4t und Kreativit\u00e4t,<\/li>\n<li>die Steigerung des Lernverm\u00f6gens und<\/li>\n<li>die F\u00f6rderung der Selbstt\u00e4tigkeit der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler.<\/li>\n<li>\u201eKonzentration auf das Wesentliche,<\/li>\n<li>Lebenswelt verst\u00e4rken,<\/li>\n<li>P\u00e4dagogische Handlungseinheit Schule,<\/li>\n<li>Binnenstruktur an den Schulen aufbauen.\u201c<a id=\"ftnref5\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"_ftnref5\" href=\"#ftn5\">[5]<\/a><\/li>\n<li>\u201eDer Weg zum Wissen gewinnt gegen\u00fcber dem Wissen an Bedeutung,<\/li>\n<li>Ausrichtung auf lebensbegleitendes Lernen,<\/li>\n<li>Aktives, eigenverantwortetes, autonomes Lernen f\u00f6rdern,<\/li>\n<li>f\u00e4cher\u00fcbergreifendes Lernen zum Prinzip machen,<\/li>\n<li>St\u00e4rkung der Schule als p\u00e4dagogische Handlungseinheit,<\/li>\n<li>Schulpartnerschaft als gelebte Demokratie (Partizipation aller am Schulleben Beteiligten und aller Betroffenen).\u201c<a id=\"ftnref6\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"_ftnref6\" href=\"#ftn6\">[6]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"margin: 6pt 0cm; text-indent: 0cm;\">Diese Punkte erinnern sehr stark an die p\u00e4dagogischen Grunds\u00e4tze Pestalozzis. John Dewey proklamiert weiters \u201elearning by doing\u201c, aber gezielt praktisches oder zweckrationales Handeln stehen im Vordergrund, Zielgerichtetheit und Effektivit\u00e4t des Handelns sind wesentlich.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Sp\u00e4ter entwickelte sich aus diesem Schulmodell die Projektmethode<a id=\"ftnref1\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"_ftnref1\" href=\"#ftn1\">[1]<\/a>. Sie sieht den praktischen Anlass als zentralen Ausgangspunkt des Projekts \u2013 und dieser ist auch f\u00fcr den Bereich der Interkulturellen P\u00e4dagogik von zentraler Bedeutung. Die Stoffauswahl muss dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen, die Unterrichtsmaterialien sollten anschaulich, klar definierbar und interessant arrangiert sein.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Peter Petersen geht einen Schritt weiter, wenn er meint:<\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 13.05pt 0.0001pt 35.45pt;\">\u201e<em>Die Schule als Ganzes, nicht der einzelne Lehrer oder der Unterricht, muss wirken, die Schule als p\u00e4dagogisch gestalteter Zusammenhang. Unterricht ist eine Funktion des gelingenden Schullebens, nicht etwa umgekehrt; die grundlegende Frage der Reform ist daher: Was k\u00f6nnen wir aus den gegebenen Bedingungen machen, der Soziabilit\u00e4t der Schule, aber auch ihres Umfeldes, um die p\u00e4dagogischen Forderungen nach \u201ep\u00e4dagogischen Gesichtspunkten\u201c aufzubauen, [&#8230;].\u201c<a id=\"ftnref2\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"_ftnref2\" href=\"#ftn2\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">In diesem Zitat spricht Peter Petersen den Aspekt sozialen Handelns, den Bereich der Gemeinsamkeit und des Miteinanders an. In einem solchen Schulleben, wo Gemeinsames im Mittelpunkt steht, ist es f\u00fcr Kinder aus anderen L\u00e4ndern angenehmer, sich in die f\u00fcr sie v\u00f6llig neue Umgebung einzuleben, sich wohl zu f\u00fchlen und rascher Freunde zu finden.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Dieser \u201eorganischen\u201c L\u00f6sung entspricht die Gestaltung der Tage und Wochen im Schulleben: Statt eines in einzelne Fachstunden zerst\u00fcckelten Tages-Stundenplans kennt die Jenaplan-Schule nur einen flexiblen Wochenarbeitsplan, der Zeiteinheiten vorsieht, aber keine starren Stundentakte. Die Unterrichts\u00adgestaltung kann weit mehr inhaltlich auf die jeweilige p\u00e4dagogische Situation reagieren, als dies in der Stoffverteilung der Normalschule m\u00f6glich ist. Die haupts\u00e4chliche Unterrichtsform ist die selbstt\u00e4tige Gruppenarbeit, die durch Kurse erg\u00e4nzt werden kann, in denen vermittelt wird, was die Gruppenarbeit selbst nicht hervorbringt. Au\u00dferdem kann hier die Verschiedenheit der Begabungen besser ber\u00fccksichtigt werden als in der Stammgruppe, die nicht intern differenziert ist.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Das Schulleben komplettiert die Konstruktion. Gemeint ist die Beteiligung der Eltern an der schulischen Arbeit in der \u201eSchulgemeinde\u201c, die besondere Bedeutung von Festen und Feiern, die der Gemeinschaftsbildung dienen, und nicht zuletzt die \u00e4sthetische Gestaltung des Schulraumes, durch die die Schule zum Wohnraum werden soll.<a id=\"ftnref3\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"_ftnref3\" href=\"#ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Genau dieses Konzept weist sowohl auf Begabungen als auch auf Defizite von Migrantenkindern hin, l\u00e4sst ihnen aber gleichzeitig Raum zur selbstt\u00e4tigen Verringerung ihrer erfahrungsgem\u00e4\u00df zumeist sprachlichen Verst\u00e4ndigungs\u00adschwierigkeiten in der neuen Sprache. Hinzuweisen w\u00e4re auch auf den Aspekt der intensiv gepflegten Zusammenarbeit mit Migranteneltern, der in unseren Schulen leider noch viel zu wenig beachtet wird. Durch enge Beziehung zu den h\u00e4ufig mit Beh\u00f6rden- und Schwellenangst behafteten Eltern w\u00fcrden zahlreiche Missverst\u00e4ndnisse und Unklarheiten erst gar nicht entstehen. Selbstverst\u00e4ndlich muss dabei an eine Dolmetscht\u00e4tigkeit gedacht werden \u2013 sie ist in den meisten F\u00e4llen erforderlich f\u00fcr eine klare und eindeutige Verst\u00e4ndigung.<\/p>\n<p style=\"margin: 6pt 0cm; text-indent: 0cm;\">H. Scharrelmann machte sich 1912 Gedanken \u00fcber eine sogenannte Arbeitsschule. Dabei spricht er von einer Umgestaltung der lehrer- und lehrplanzentrierten Schule zugunsten einer Schulreform, bei der<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Hier findet man weitere Grunds\u00e4tze der Interkulturellen P\u00e4dagogik. Besonders das Prinzip der Toleranz im gegenseitigen Sinn m\u00fcsste in Klassen mit Kindern aus verschiedenen L\u00e4ndern vorherrschen. Das offene, zwanglose Gespr\u00e4ch muss in solchen Klassen als bedeutsamer Bestandteil des Spracherwerbs betrachtet werden. Nur durch das Gef\u00fchl von Annahme und Ebenb\u00fcrtigkeit, der Gleich\u00adwertigkeit, Chancengleichheit und dem gegenseitigen Verst\u00e4ndnis kann sich ein Kind aus einem anderen Land, mit einer anderen Muttersprache und mit einer anderen Kultur eingliedern und wohl f\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"margin: 6pt 0cm; text-indent: 0cm;\">H. Scharrelmann beschreibt weiters allgemeine Prinzipien der Schulreform und Regeln des Unterrichts. Die Selbstt\u00e4tigkeit des Kindes steht im Mittelpunkt. Es soll Gelegenheitsunterricht und keinen herk\u00f6mmlichen F\u00e4cherunterricht geben \u2013 \u00e4hnlich Berthold Ottos Vorstellungen von Unterricht. B. Otto geht von der Neugier der Kinder aus. Selbstverst\u00e4ndlich sollten Fragen der Kinder Schl\u00fcssel\u00adsituationen f\u00fcr Lernvorhaben sein.<\/p>\n<h3>Interkulturelle P\u00e4dagogik und Montessori-P\u00e4dagogik<\/h3>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Durch die freie Wahl unterschiedlicher Materialien in der <em>Montessori-P\u00e4dagogik<\/em> hat ein Kind, das sich sprachlich noch nicht sehr differenziert ausdr\u00fccken kann, die M\u00f6glichkeit, sich selbst\u00e4ndig Wissen zu verschaffen, ohne \u00fcberm\u00e4\u00dfig kommunizieren zu m\u00fcssen. Da besonders <em>Seiteneinsteiger<\/em> \u2013 das sind Kinder, die w\u00e4hrend ihrer Schullaufbahn aus einem anderen Land kommend, in unser Schulsystem eingegliedert werden \u2013 sich anfangs intensiver und lieber mit mathematischen Fragestellungen besch\u00e4ftigen, kommen die f\u00fcr diesen Bereich von <em>Maria Montessori<\/em> entwickelten didaktischen Materialien diesen Kindern sehr entgegen.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Von Maria Montessori gepr\u00e4gte Begriffe wie die Vorbereitete Umgebung<em> \u2013<\/em> die Schaffung einer kindgerechten, anregenden und optisch ansprechenden Lernumgebung \u2013<em>,<\/em> dieSensiblen Phasen des Kindesoder die Polarisation der Aufmerksamkeit m\u00fcssten jeder zuk\u00fcnftigen Lehrerin und jedem zuk\u00fcnftigen Lehrer im Zusammenhang mit Migrantenkindern gel\u00e4ufig sein. Diese und viele andere Gedanken der Montessori-P\u00e4dagogik sind meines Erachtens Vor\u00adaussetzung f\u00fcr den integrierenden Umgang mit Migrantenkindern in den Schulen.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">In einer Montessori-Klasse ist die Lehrperson f\u00fcr die Organisation des Unterrichtsablaufs und f\u00fcr die knappe Einf\u00fchrung in den richtigen Gebrauch der didaktischen Materialien verantwortlich. Ebenso zust\u00e4ndig ist die Lehrperson f\u00fcr Fragen der Leistungsbeurteilung, wobei es keinerlei Zensuren, sondern Pensenb\u00fccher f\u00fcr jeden Sch\u00fcler gibt. Darin wird die erfolgreiche Beendigung einer Arbeit best\u00e4tigt und weitere \u00dcbungsschritte festgelegt. F\u00fcr Lernende mit noch nicht so guten Kenntnissen in der Zweit- oder Zielsprache oder mit anderen Entwicklungs- oder Lerndefiziten w\u00fcrden sich <em>Pensenb\u00fccher<\/em> besonders gut eignen, da sie die M\u00f6glichkeit bieten, den Lernprozess f\u00fcr Kinder und transparent zu machen.<\/p>\n<h3>Interkulturelle P\u00e4dagogik und der Dalton-Plan<\/h3>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Die amerikanische Lehrerin Helen Parkhurst (1887 \u2013 1959) suchte ebenfalls in den USA nach Wegen zu Effizienz im Unterricht an einer Landschule. Sie begann mit der Errichtung von subject corners und den dazu notwendigen Lehr- und Lernmitteln. Die Sch\u00fcler arbeiten selbst\u00e4ndig unter Beratung des Lehrers und nach individuell zusammengestellten Arbeitspl\u00e4nen. Maria Montessoris didaktische Ideen und deren Erziehungsdenken waren ihr durchaus bekannt und beeinflussten sehr stark ihre Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Ihre unterrichtlichen Ziele waren<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Freiheit, Zusammenarbeit und Selbst\u00e4ndigkeit sind Grundprinzipien des Konzepts im von H. Parkhurst ins Leben gerufenen Dalton-Plans.<\/p>\n<p style=\"margin: 6pt 0cm; text-indent: 0cm;\">Der Daltonplan-Lehrer \u00fcberpr\u00fcft die individuell oder in Gruppenarbeit erreichten Lernergebnisse mittels Kontrollkarten. Aber auch der gemeinsame, konventionell gehaltene Klassenunterricht hat seinen Platz, beispielsweise in den Bereichen Lesen, Leibes\u00fcbungen und Sachunterricht und bei der Vorstellung von neuen Lernzielen. Grunds\u00e4tzlich jedoch wird auch in diesen Gegenst\u00e4nden auf die Interessen und Bed\u00fcrfnisse der Kinder eingegangen. Besonderes Augenmerk wird auf die selbst erarbeiteten Stoffgebiete im Sachunterricht gelegt. Tests zu Schuljahresbeginn machen den aktuellen Wissensstand deutlich. Selbst zu entscheiden haben die Sch\u00fcler \u00fcber Lerntempo, die Abfolge der Arbeitsschritte in Absprache mit dem Lehrer, \u00fcber die Absolvierung des Kernprogramms mit seinen Kursen und \u00fcber den Umfang der h\u00e4uslichen Arbeiten.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Der Lehrer hat beratende und begleitende Funktion. Die Lehrkraft soll jederzeit helfen und informieren, und, wenn n\u00f6tig, auch konventionell Stoff vermitteln. Ein kontinuierlicher Aufbau der Selbst\u00e4ndigkeit der Kinder ist notwendig, um die F\u00e4higkeit zu erlangen, den Wochenplan zur G\u00e4nze zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Auch hier findet man viele M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine sinnvolle Integration von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache. Besonders die Haltung der Lehrperson als helfende Kraft ist f\u00fcr solche Kinder unbedingt erforderlich, auch das individualisierende Lernen hilft diesen Kindern ganz wesentlich, ihren Weg hin zu einer hohen Sprachkompetenz, die f\u00fcr ihre weitere Schullaufbahn n\u00fctzlich ist, zu finden.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Abschlie\u00dfend ist noch ein Grundsatz von Helen Parkhurst und den Anh\u00e4ngern der Daltonplan-Methode erw\u00e4hnenswert: <em>Der Sch\u00fcler lernt umso weniger, als der Lehrer lehrt! <\/em>Ein Leitsatz f\u00fcr die Lehrerbildung, oder?<\/p>\n<h3>Interkulturelle P\u00e4dagogik und Freinet-P\u00e4dagogik<\/h3>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Die franz\u00f6sische Schule wurde durch C\u00e9lestin Freinet seit dem Jahre 1915 wesentlich umgewandelt. Seine einklassige Dorfschule wurde in eine kleine Druckerei umgestaltet, wo seine Sch\u00fcler ihre Lesetexte selbst herstellten. Seine Idee war zur damaligen Zeit absolut bahnbrechend!<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Weiters lehnt C. Freinet die herk\u00f6mmliche Arbeit mit Lehrb\u00fcchern ab. Diesen Gedanken greifen heute immer wieder Lehrerinnen und Lehrer in \u00d6sterreichs Schulen auf, da sie mit B\u00fcchern in der derzeit laufenden Schulbuchaktion unzufrieden sind. Besonders f\u00fcr Kinder mit besonderen Bed\u00fcrfnissen, wie zum Beispiel f\u00fcr Kinder mit Defiziten im Verstehen und Anwenden unserer Unterrichtssprache, eigenen sich nur einige wenige der angebotenen Schulb\u00fccher. Zu viel an Text, zu wenig Veranschaulichung und zu schwieriger Satzbau lassen diese Kinder immer wieder ihre sprachlichen Defizite sp\u00fcren und schlussendlich das Buch weglegen.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Bei sogenannten Klassenversammlungen in Freinet-Klassenwird jede Woche ein gemeinsamer Arbeitsplan festgelegt. Zus\u00e4tzlich gibt es einen individuellen Plan, abgestimmt auf die Notwendigkeiten und Bed\u00fcrfnisse jedes einzelnen Kindes \u2013 ein unbedingtes Muss bei Beachtung der Grunds\u00e4tze \u201eInterkultureller Erziehung\u201c!<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Die Raumgestaltung erfolgt durch Arbeitsecken, Ateliers \u2013 ausgestattet mit Werkzeug \u2013 und den jeweils n\u00f6tigen Materialien. Die Lernumwelt muss m\u00f6glichst anregend gestaltet werden. Bezogen auf den Bereich der Sozialformen ist zu sagen, dass grunds\u00e4tzlich kooperativer Unterricht stattfindet, es wird in Partnerschaft, in Gruppen oder einzeln gearbeitet. Es gibt \u00fcberdies eine Arbeitsb\u00fccherei, Versuchs-, Nachschlage-, Arbeitskarteien oder Sachhefte sowie Lernprogramme speziell im Bereich des Sprach-, Sach- und Rechenunterrichts.<\/p>\n<h3>Interkulturelle P\u00e4dagogik und der Jenaplan<\/h3>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Peter Petersen(1884 \u2013 1952) schloss viele reformp\u00e4dagogische Ideen und Anregungen in seinem p\u00e4dagogischen Konzept zusammen. Lernspiele, Gesamtunterricht, Schulgemeinde, Kurssystem, Projektmethode, arbeits\u00adunterrichtliche und gruppenunterrichtliche Verfahren sollten ein nat\u00fcrliches und spontanes Lernen erm\u00f6glichen. Lernen soll in allerh\u00f6chstem Ma\u00dfe von der Wirklichkeit abh\u00e4ngig sein, auch von der Gem\u00fctswelt und vom emotionalen Sein.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Petersen vertrat ein Unterrichtssystem, das vom Kinde ausgeht, individuelle Anlagen f\u00f6rdert und sich gegen das Jahrgangsklassensystem ausspricht. Es gibt Stammgruppen und eine Schulgemeinde mit Patenschaften, Kreisgespr\u00e4che, Feste und Feiern.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">In Schulen mit hohem Prozentanteil von Kindern aus anderen L\u00e4ndern ist es oft gar nicht anders m\u00f6glich, als dass die schon fr\u00fcher eingestiegenen, meist \u00e4lteren Kinder die Neuank\u00f6mmlinge im Verst\u00e4ndnis von neuem Lernstoff unterweisen, ihnen immer wieder auch als kleine Dolmetscher weiterhelfen, den anders\u00ad sprechenden Lehrer und Kameraden verstehen zu lernen. Verst\u00e4ndigung \u00fcber allerlei Grenzen hinweg ist erforderlich und wird dadurch erm\u00f6glicht. Patenschaften werden so innerhalb der Schule zwischen \u00e4lteren und j\u00fcngeren Sch\u00fclern gef\u00f6rdert und gelebt. Feiern sollen das Hineinwachsen der jungen oder neu hinzugekommenen Kinder \u2013 nat\u00fcrlich auch der Seiteneinsteigerkinder \u2013 in die Schulgemeinde erm\u00f6glichen und forcieren.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Wochenanfangs- und Wochenabschlusskreise beinhalten soziale, kognitive und emotionale Elemente des Gemeinschaftslebens, somit die Grundfesten des Unterrichtslebens. Es wird den Kindern dadurch ihre Mitverantwortung am Unterrichtsgeschehen deutlich, die Selbstt\u00e4tigkeit und selbst\u00e4ndige Arbeitsweise werden immer wieder hervorgehoben. Der Arbeitsrhythmus wird \u00fcberschaubar, die M\u00f6glichkeit zur Selbstbesinnung wird durch die Kreisgespr\u00e4che gegeben.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Zu den Spezifika einer Jenaplan-Schule z\u00e4hlt weiters, dass es keinerlei Zensuren gibt und dass es statt fixer Sitzpl\u00e4tze flexible Tischgruppen gibt.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Der Lehrer hat hier die Aufgabe, das Unterrichtsgeschehen f\u00fcr die Kinder so zu gestalten, \u201edass sie wollen, was sie tun.\u201c<a id=\"ftnref4\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"_ftnref4\" href=\"#ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n<h2>Die Aktualit\u00e4t der Reformp\u00e4dagogik und der neue Lehrplan<\/h2>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Der so oft kritisierte \u00f6sterreichische Lehrplan gilt in Fachkreisen als Grund\u00fcbel der didaktischen Organisation des Stoffes unabh\u00e4ngig von der Lernbereitschaft und Fragestellung des Kindes. Die Individualit\u00e4t des Kindes wird im Lehrplan angeblich nicht ber\u00fccksichtigt, Begriffe wie sch\u00fclerorientiertes Lernen, indivi\u00addualisierendes und projektorientiertes Lernen sind jedoch durchaus zu finden.<\/p>\n<p style=\"margin: 6pt 0cm; text-indent: 0cm;\">Im Wei\u00dfbuch zum neuen Lehrplan f\u00fcr das Jahr 1999 vom Oktober 1996 findet man als Grunds\u00e4tze der Lehrplanreform u.a. folgende:<\/p>\n<p>Weiters liest man an anderer Stelle \u00fcber Prinzipien von qualit\u00e4tsorientiertem schulischen Lernen:<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Hier begegnet man ganz offensichtlich reformp\u00e4dagogischen Ans\u00e4tzen und Ideen!<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Im Moment haben besonders Schulen des Mittelstufenbereichs Interesse an der Jenaplan-P\u00e4dagogik<em>,<\/em> da sie mit vielerlei sozialen, kulturellen, sprachlichen und psychischen Problemen \u2013 nicht nur von Migrantenkindern \u2013 zu k\u00e4mpfen haben, insbesondere in den Ballungszentren.<\/p>\n<p style=\"margin: 6pt 0cm; text-indent: 0cm;\">Viele der soeben kurz dargestellten reformp\u00e4dagogischen Ans\u00e4tze sind im derzeitigen \u00f6sterreichischen Schulsystem durchaus im Zusammenhang mit Interkultureller P\u00e4dagogik vorstellbar, manchmal auch schon anzutreffen.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Gerade im Wiener Schulwesen mit 30% und mehr Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache w\u00e4re ein Umdenken notwendig, n\u00e4mlich weg vom traditionellen, assimilierenden und segregierenden Unterricht hin zur Akzeptanz von Indi\u00advidualit\u00e4t und grunds\u00e4tzlicher Lernbereitschaft jedes Kindes.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">Speziell beim Spracherwerbsprozess ist es methodisch nicht m\u00f6glich, den Kindern mit einer anderen Muttersprache als Deutsch und mit unterschiedlichstem Sprachverst\u00e4ndnis ausschlie\u00dflich im Frontalunterricht zu begegnen. Deutlich wird falscher Unterricht durch die vielen verschiedenen psychischen Belastungen der zu unterrichtenden Kinder, die z.B. aus einer anderen Kultur stammen, zu wenig emotionelle Unterst\u00fctzung erhalten, h\u00e4ufig aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden problembelastete Eltern haben und\/oder weil sie der Unterrichtssprache Deutsch noch nicht m\u00e4chtig sind.<\/p>\n<p style=\"margin: 6pt 0cm; text-indent: 0cm;\">Gerade deshalb muss man sich \u00fcber andere Methoden und Modelle im Unterricht Gedanken machen.<\/p>\n<h4>Literatur<\/h4>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt 13.6pt; text-align: left; text-indent: -13.6pt;\" align=\"left\">Bundesministerium f\u00fcr Unterricht und kulturelle Angelegenheiten, Sektion I: Wei\u00dfbuch zum Lehrplan \u201999, Entwurf, 15. Oktober 1996<\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt 13.6pt; text-align: left; text-indent: -13.6pt;\" align=\"left\"><em>Furch, Elisabeth<\/em>, Interkulturelle P\u00e4dagogik und reformp\u00e4dagogische Ans\u00e4tze im Unterricht In: <em>Anzengruber, Grete<\/em> u.a. (Hg.), Lebendige Reformp\u00e4dagogik, Schulheft 80\/1995, Wien 1995<\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt 13.6pt; text-align: left; text-indent: -13.6pt;\" align=\"left\">Lehrplan der Volksschule \u2013 Lehrplan-Service f\u00fcr das allgemeinbildende Schulwesen, 5.&nbsp;Auflage, Wien 1991<\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 0.0001pt 13.6pt; text-align: left; text-indent: -13.6pt;\" align=\"left\"><em>Oelkers, J\u00fcrgen<\/em>, Reformp\u00e4dagogik: eine kritische Dogmengeschichte, 2. Auflage, Weinheim und M\u00fcnchen 1992<\/p>\n<p style=\"margin-left: 13.6pt; text-align: left; text-indent: -13.6pt;\" align=\"left\">Paetz, Andreas, Pilarczyk, Ulrike (Hg.), Schulen, die anders waren, Berlin 1990<\/p>\n<p>Zur Autorin<\/p>\n<p>Elisabeth Furch ist Professorin an der P\u00e4dagogischen Hochschule des Bundes in Wien 10., Ettenreichgasse 45b, f\u00fcr Deutschdidaktik und Interkulturelle P\u00e4dagogik.<\/p>\n<p style=\"margin-top: 6pt;\">&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 3pt 13.6pt; text-align: left; text-indent: -13.6pt;\" align=\"left\"><a id=\"ftnref1\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"ftn1\" href=\"#ftnref1\">[1]<\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Oelkers, J\u00fcrgen, Reformp\u00e4dagogik: eine kritische Dogemengeschichte, 2. Aufl., Weinheim und M\u00fcnchen 1992, S. 112<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 3pt; text-align: left;\" align=\"left\"><a id=\"ftnref2\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"ftn2\" href=\"#ftnref2\">[2]<\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Oelkers, J., Reformp\u00e4dagogik &#8230;, S. 118<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 3pt; text-align: left;\" align=\"left\"><a id=\"ftnref3\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"ftn3\" href=\"#ftnref3\">[3]<\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Oelkers, J., Reformp\u00e4dagogik &#8230;, S. 119<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 3pt; text-align: left;\" align=\"left\"><a id=\"ftnref4\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"ftn4\" href=\"#ftnref4\">[4]<\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Paetz, Pilarczyk, Schulen, die anders waren, Berlin 1990, S. 55<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 3pt; text-align: left;\" align=\"left\"><a id=\"ftnref5\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"ftn5\" href=\"#ftnref5\">[5]<\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Wei\u00dfbuch zum Lehrplan 1999, S.D\/1 und D\/2<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 3pt; text-align: left;\" align=\"left\"><a id=\"ftnref6\" style=\"vertical-align: super;\" name=\"ftn6\" href=\"#ftnref6\">[6]<\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp; Wei\u00dfbuch zum Lehrplan 1999, S.D\/2<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Adolphe Ferri\u00e8re soll der Unterricht der Entwicklung des Kindes [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-582","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reformpaedagogik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/582","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=582"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/582\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=582"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=582"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.eichelberger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=582"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}